http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0437
GEORGE MINNE
Versuch einer Theorie der elektrischen Erscheinungen
, 1801 las man Steffens Beitrag zur
inneren Naturgeschichte.
Die Naturphilosophie, die den Kosmos als
einen beseelten Organismus auffaßte, und wieder
die Identitätsphilosophie, die das Objektive
dem Subjektiven gleichsetzte, die Weltseele mit
der eigenen Seele, dem Ich identifizierte und in
dem kosmischen Geschehen seinen Bewußtseinsinhalt
wiederfand, gab die Grundlagen
her für das Programm der neuen Landschaftskunst
. Runge schreibt: Es drängt sich alles
zur Landschaft. ... Ist denn in dieser neuen
Kunst — der Landschafterey, wenn man so
will, — nicht auch ein höchster Punkt zu
erreichen? der vielleicht noch schöner wird
wie die vorigen? Wir erleben die schöne
BRUNNEN (MARMOR)
Zeit dieser Kunst wohl nicht mehr, aber wir
wollen unser Leben daran setzen, sie würklich
und in Wahrheit hervorzurufen.
In diesem Augenblick darf nochmals auf einen
Mann der Wissenschaft hingewiesen werden, auf
A. von Humboldt. Seine Werke wachsen ganz
aus seiner Zeit heraus, so, daß sie sich auch
mit der Kunst, die wir doch als die feinfühligste
Dolmetscherin einer Epoche bezeichnen
dürfen, fast unmittelbar berühren. Humboldts
ältestes Buch datiert von 1799/1809. Es
trägt den Titel „Voyage aux regions equino-
xiales du nouveau continent" und erwarb sich
sofort in weitem Umkreise Freunde. Der
Gedanken- und Empfindungsgehalt, der um
das Jahr 1800 Bildform zu gewinnen suchte,
hat einen bedeutsamen Niederschlag in des
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