Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 362
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LUCIEN SIMON

sein Gemälde „Un blesse chez im pharmacien"
ward mit viel Beifall aufgenommen. Unmittelbar
darauf ward ihm auf einer Spanienreise Ve-
lasquez zum stärksten Erlebnis; der spanische
Meister, ihm auch im Temperament verwandt,
gab ihm zum ersten Male einen Begriff von
bildmäßiger Lichtführung und farbiger Komposition
. Die ersten Gemälde (Kammermusik 1892,
Kirchendiener, Familiengruppen, Gesellschaftsabende
, Kircheninterieurs 1893) waren von einer
sehr ängstlichen Art des Ausführens und bewegten
sich ganz in der Ausdrucksweise einer
herkömmlichen Lasurmalerei. Velasquez und
Manet — dieser selbst des Spaniers bedeutendster
Schüler — brachten Simon auf eine
freie Primamalerei ohne Retusche und mit
starkem Gegeneinanderwirken der Farben.
Alles wird in dieser Zeit freier und kühner
bei ihm, die Mache wird nervöser, die Materie
voller und reicher, die Töne klingender und üppiger
. Dies geht Hand in Hand mit einer Konsolidation
seines ganzen inneren und äußeren
Lebens. Durch seine Heirat mit einer Bretonin
lernt er die Bretagne kennen, die ihm alsbald
und für den ganzen Rest seines Lebens zum

der ball

unerschöpflichen Stoffgebiete wird. Der stark
ausgeprägte Charakter der Landschaft zog ihn
lebhaft an, ebenso wie die harte Eigenart der
Bewohner. Freilich mußte seine Auffassung
dieses Landes stark abweichen von der herkömmlichen
, sentimental süßlichen und verlogenen
Art, mit der man die Bretagne bis
dahin zu sehen liebte. In der bretonischen
Bevölkerung fand er der Hauptsache nach ein
rohes, trunksüchtiges, fetischistisches Volk,
schwerfällige, träge Weiber, Menschenmassen,
die sich mit Drohblicken um einen von Würde
und Machtbewußtsein geblähten Priester scharten
. Zugleich aber faßte er die gewaltigen
koloristischen Reize des Landes mit großer
Innigkeit auf: zu den verbrannten, dunklen,
weinroten Gesichtern der Bauern, zu ihrer
schwarzen, mit Stickereien und glänzender
Seide geschmückten Gewandung bildeten das
zarte Blau des Himmels und der graue Goldton
der Ebenen den wunderbarsten Hintergrund
.

Zehn Jahre lang malte er von nun an nichts
als seine Bretagne. Von der „Bretonischen
Messe" 1892 bis zum „Bretonischen Tanz"

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