http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0449
LUCIEN SIMON
DIE BARKE
CEZANNE UND HODLER
Von Hans Tietze
Mit überraschender Kraft prägt sich die enge
Verbindung dieser zwei sonst disparat erachteten
Künstler unserer Vorstellung ein; der
Titel, den Burger seiner Einführung in die
Probleme der Malerei der Gegenwart gegeben
hat, wirkt mit der suggestiven Eindringlichkeit
eines glücklich formulierten Schlagworts (Fritz
Burger, Cezanne und Hodler, München, Delphinverlag
1913). Tatsächlich läßt sich das
meiste, was die heranwachsende Generation
bewegt und mit dem Anspruch auf künstlerische
Alleingültigkeit unwiderstehlich herangeströmt
kommt, in irgend einer Weise auf
diese zwei Meister zurückführen. Sie gestalten
den gedanklichen Gehalt unserer Zeit und
eine Interpretation, die wie die Burgers von
der Erkenntnisfunktion der Kunst ausgehend
halb verschüttete Geleise wieder aufreißt,
kann in oft überraschender Weise Bewußtheit
und Unbewußtheit unseres geistigen Gärens
aus den Kunstwerken herauslesen; oder
was nicht so verschieden ist, wie es klingen
mag — in sie hineinlesen, da es ja selbstverständlich
ist, daß eine Interpretation, die
aus der unendlichen Vielgestalt des Kunstwerks
seinen abstrakten Ideengehalt heraushebt
, den Geist der Zeit tätig rinden muß, der
auch aus anderen Manifestationen heraufbe-
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