http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0454
oder in sie zu legen versteht, die Universalität
mangelt ihm, eine ganze Welt zu umspannen
oder zu erschaffen.
Was Cezanne, in dessen Schaffen die subjektiven
Grenzen fast ausgemerzt erscheinen,
hier die Ueberlegenheit über Hodler sichert,
ist die günstigere historische Position; er wächst
unmittelbar aus einer blühenden Tradition heraus
, während der Schweizer sich die Bahn zu
seinen Genossen erst brechen mußte. Deshalb
wirkt Cezanne, dessen Bilder, auch wo
sie das Tiefste geben, wie köstliche Gobelins
erscheinen, für jeden, der den Weg zu ihm
fand, mit der selbstverständlichen Anmut eines
glücklichen Kindes, und Hodler gleicht seinem
Teil, kommt, ein wütender Riese, mit mächtigen
Gebärden durch die Wolken hindurchgeschritten,
die er zerreißt.
So sehen wir die beiden Künstler, in den
Bedingungen ihres Werdens betrachtet, diametral
verschieden, dennoch aber wesenseins;
der eine ist unbewußter, stärker im Sinnenleben
verankert und der reinere Maler, der
andere gewollter, intellektueller, von architektonischer
Dekoration nicht ganz losgelöst, beide
stark genug, noch ein Stück der Weiterentwicklung
zu tragen. Zwei überlebensgroße,
janushäuptige Statuen, die an der Pforte stehen,
durch die die Malerei von heute in unwiderstehlichem
Triumphzug herankommt.
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