Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 374
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0458
Ideen der Renaissance", „Der Künstler und seine
Werke".

Ich stehe nicht an, den ersten Band des Werkes
immer noch für den bedeutendsten zu halten. Hier
tritt uns die Persönlichkeit Michelangelos am plastischsten
, am berückendsten gegenüber. Nicht
umsonst hat Thode diesem Band als Motto einen
Ausspruch der Vittoria Colonna vorausgesetzt:
„Darum schätzen auch in Rom die, welche Euch
kennen, die Person Michelangelos höher als seine
Werke, während diejenigen, welche Euch nicht
persönlich kennen, nur Euer geringeres Teil, nämlich
Werke Eurer Hände, hochhalten." Auf dieses
Motto geht denn auch das ganze Buch. Immer ist
das Individuum als Ganzes, nie ein Produkt seiner
Schöpferkraft, zum Ausgangspunkt gemacht.

Der zweite Band soll die Aufgabe erfüllen, die
Ideen, welche Michelangelos geistiges Leben beherrschten
, zu erfassen und auf Grundlage seiner
Gedichte darzustellen. Hier ist also im wesentlichen
vom Zeitgeist der ausklingenden Renaissance
die Rede, von den Geistesschätzen, die dem allumfassenden
Renaissancemenschen zu Gebote
standen, und von den Zusammenhängen Michelangelos
mit seiner Zeit und ihren sublimen Geistern,
namentlich mit Savonarola.

Der dritte Band endlich gilt den Realitäten, den
Schöpfungen, an denen aufgezeigt werden soll, wie
sich in ihnen das Charakteristische von Michelangelos
Seelenleben, Schönheitsdurst und Glaubensverlangen
, die Ideen seinerzeit und darüber hinaus
die Probleme christlicher Kunst überhaupt verkörpern.

Da sich in Michelangelo Genie und Typus zur
Einheit binden, Persönlichkeit und Zeitausdruck in
eins verschmelzen, so kann füglich in ihm der
Kulminationspunkt der Renaissance erblickt werden.
Höhe und Wende zugleich. Denn mit Michelangelos
physischem Abstieg beginnt das Ende der Renaissance
. Eine schwächere, weniger geistige und nur
mehr im materiellen Sinn heroische Zeit bricht an:
das Barock. G.J.W.

BERLINER AUSSTELLUNGEN

"P\er Winter geht seinem Ende entgegen, und zieht
man nun die Summe dessen, was er an bleibenden
künstlerischen Eindrücken gebracht hat, so ist
es nicht allzuviel. Cassirer versteckte sich hinter
Cezanne und Corinth wie einst Brahms hinter Ibsen
und Hauptmann. Und wie Brahms herrliche Ibsenaufführungen
nicht dafür entschädigen, daß er sich
Wedekind entgehen ließ und schließlich doch bei
Ernst Hardt endete, so täuscht die wundervolle Retrospektive
, mit der Cassirer sein erweitertes Haus
eröffnete, nicht darüber hinweg, daß manche Fehlgriffe
folgten. — Die Ausstellungen des „Sturm",
die verheißungsvoll einsetzten, leiden in ihrer Gesamtheit
doch an einem fühlbaren Mangel künstlerischen
Zielbewußtseins. Neben wenig ernster Kunst
durfte sich viel arger Dilettantismus breit machen. —
Vorsichtiger versucht Gurlitt die Schwenkung ins
Lager der Moderne. Der hübsche neue Raum, der
als graphischer Salon eröffnet wurde, ist nun zum

LUCIEN SIMON

KARTOFFELERNTE

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