Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 375
(PDF, 174 MB)
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lucien simon

Versuchskabinett geworden. (Diesmal zeigt man
dort Le Fauconnier, einen der jüngsten Franzosen
und keinen der stärksten. Ein feines Gefühl für
rhythmische Formung und eine leise gestimmte
Koloristik machen seine Bilder dem Auge angenehm.
Aber unter der kubistisch konstruierten Oberfläche
ahnt man eine ziemlich banale bildnerische Grundlage
. Und das rasch berühmt gewordene und viel
reproduzierte Bild der Abundantia, dessen erste
Fassung dem Folkwang-Museum in Hagen gehört,
dankt seinen Erfolg sicherlich mehr der nach akademischen
Regeln wohlgebauten Gruppe der früchtetragenden
Frau mit dem Kinde zur Seite als der
quaderartigen Fügung der Formen, in die sie nachträglich
eingezwängt wurde. Das Wort Expressionismus
, mit dem man alle diese neuen Erscheinungen
zu bezeichnen pflegt, trifft diesen Franzosen so
wenig wie das Wort Kubismus. Komposition ist
der Grundbegriff dieser Kunst wie der des Friesz,
von dessen Ausstellung bei Cassirer hier kürzlich
die Rede war. Schöne Bilder sollen entstehen, die
dem Auge wohltun. Dem gleichen Ziel folgt auf
andere Weise Franz Marc, von dem der „Sturm"
eine Kollektivausstellung bringt. Unverkennbar ist
die Münchener Note in seiner Kunst. Ueber alle
Verschiedenheiten hin wird die Erinnerung an
Fritz Erler lebendig. Der Weg von Zügel über
den Neoimpressionismus zur reinen Farbe und geschlossenen
Form ist in dieser Ausstellung nur
angedeutet. Er ist mit bedenklicher Geschwindigkeit
zurückgelegt worden, und über die ersten Resultate
hinaus, die im vorigen Jahre bekanntwurden,

ausschiffung

vor allem die Komposition mit den drei Pferden,
von denen das Exemplar in Blau, das im vorigen
Jahre gezeigt wurde, reifer war als die zwei Fassungen
in Gelb, ist dem Künstler nichts Schlagendes
geglückt. Auch er verliert sich in Experimente
, die von Kubismus und Futurismus angeregt
sind, ohne daß die neue Reihe eine innere Entwicklung
fühlen ließe. Künstlern wie Le Fauconnier
und Marc geschieht mit größeren Sonderausstellungen
kein Dienst. Und man sollte wieder zu
dem früheren Brauch zurückkehren, solche Veranstaltungen
für Ausnahmefälle aufzusparen. Die
meisten dürfen zufrieden sein, wenn in jedem Jahre
ein oder das andere Bild glückt, das auf einer
größeren Ausstellung gute Figur machen kann. So
hatte man von Karli Sohn eine bessere Vorstellung,
als man in der vorjährigen Secession zwei Bilder
sah, als jetzt, wo /. B. Neumann ein Zimmer voll
mit Werken seiner Hand zeigt. In einem zweiten
Raum sieht man Bilder von Feigl. Das meiste ist
noch Versuch, vieles Erinnerung an Museumseindrücke
. Aber aus all dem scheint sich eine sehr
bewußte Kunst zu lösen, die mit Hilfe des Helldunkels
in Rembrandts Sinne dem Probleme des
Raumes nachgeht. Es ist viel Gedankliches in
Feigls Kunst. Er ist einer von denen, deren Sinnlichkeit
von einem stärkeren Intellekt bedroht wird.
Zu bedauern wäre es, wenn das sicherlich vorhandene
Talent auf diesem Wege um seine Entfaltung
gebracht werden sollte. Mit diesen Kollektivausstellungen
geht Neumann, der seit kurzem neben
seinem graphischen Kabinett eine Bilderausstellung

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