http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0465
P. PICASSO
LE LAPIN AGILE (1905)
Sammlung Alfred Flechtheim, Düsseldorf
drucksfülle auf uns auch wirken mögen, des
öfteren zur Outrierung des Formalen verleitete
und weiterhin hat sie ihn dann auch, als er
die Kraft verlor, auf gesunde und natürliche
Weise sich vorwärtszuschaffen, in jene Pseudo-
intellektualität und -wissenschaftlichkeit hineingetrieben
, die ihn den Unsinn von der „absoluten
Malerei" ersinnen ließ. Noch heute ist
das, was uns an den neuesten Picassos allenfalls
noch reizt, das raffiniert empfundene
Tonarrangement in ihnen, aber auch dieses kann
uns natürlich nicht über den Nonsens des Ganzen
hinwegtäuschen.
Eine wundervolle Probe dessen, was Picasso
in seiner Frühzeit an Ausdruck zu bieten hatte,
ist sein Bild eines Jünglings von 1903, das auch
auf der Ausstellung bei Thannhauser vertreten
war (Abb. S. 383). Dieses Ephebenporträt, ein
junger Mann in blauem Anzug, mit Tonpfeife
in der Hand und einem Blütenkranz im Haar,
von fast perverser Delikatesse, wird jedem,
der es einmal gesehen hat, so schnell nicht
wieder vergeßlich sein. In der einfachen, aber
so expressiven Linienführung liegt etwas von
wahrhaft griechischem Schönheitsgefühl, dazu
kommt die so überaus einschmeichelnde Farbstellung
. In diesem Stück ist Picasso schon
ganz moderner Expressionist, der das Erbe
Cezannes sich zunutze macht und auch die
Errungenschaften eines Gauguin und Matisse
verarbeitet, obgleich er weit weg ist von jeder
nur äußeren Nachahmung.
Der Uebergang vom Impressionisten zum
Expressionisten hat sich bei Picasso sehr plötz-
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