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P. PICASSO JÜNGLING (1903)
Sammlang Perls, Zehlendorf
Dann aber ward das anders und er fand
dem eingangs erwähnten Zustand des modernen
Kunstbetriebes zufolge seine Protektoren.
Und nun steht er der Menge gegenüber,
die sein Schicksal in die Hand genommen hat.
Man muß dabei an einen Gladiatoren des
Altertums denken. Wird er sich nicht eines
Tages und zwar vielleicht bald schon dem
„gewendeten Daumen" gegenüber sehen?
NEUE KUNSTLITERATUR
Beringe r, JosefAugus t. EmilLugo. Brosen.
M 4.—. Mannheim. Selbstverlag des Verfassers.
Das Werk, das mit der anteilnehmenden Liebe
des Freundes bis in die Details der Biographie und
mit dem geschärften Blick des Kenners bis zur
feinsten technischen Analyse vordringt, verlebendigt
die rührende Gestalt des badischen Landschafters
aufs schönste. Das Buch liest sich fast wie ein
Künstlerroman, obwohl nicht das Geringste daran
konstruiert, ausgeklügelt und komponiert erscheinen
kann. Der Mensch und sein seelisches Wachsen,
sein prachtvolles menschliches Reifwerden hat den
Autor ersichtlich mehr interessiert als der eigentliche
Entwicklungsgang des Künstlers. Um diesen
in seiner Bedeutung, in seiner Beziehung zum allgemeinen
Entwicklungsgang der deutschen Kunst
darzutun, hätte Beringer seinen Hintergrund auch
bunter und gestaltenreicher machen müssen: es
hätte in diesem Fall das Operieren mit den paar
Namen: Schirmer, Preller, Thoma, Feuerbach, Ludwig
und Marees nicht ausgereicht. Sicherlich aber
wollte Beringer gerade durch dieses Zurücktretenlassen
der künstlerischen Zeitgenossen die hohe
Einsamkeit Lugos besonders betonen. — Außerordentlich
wertvoll erscheinen die zahlreichen Zitate
aus Lugos Briefen, die in den Text eingestreut sind.
Sie erwecken den Wunsch, man möge diese Briefe
sammeln und als Sonderpublikation erscheinen
lassen. Vielleicht daß sie zu den zahlreichen Künstlerschriften
unserer Zeit eine gerade durch ihr maßvolles
und doch so weitherziges Urteil über Dinge
der Kunst außerordentlich schätzenswerte Ergänzung
und Berichtigung bilden könnten! Der bildliche
Schmuck des Werkes ist leider etwas dürftig ausgefallen
(nur zwölf Tafeln), doch trägt daran nicht
der Autor, sondern die Erbin und Schwester Lugos
die Schuld. g.j.w.
Scherer, Valentin. Deutsche Museen.
Brosch.M 10.—,geb. M 12.—.Jena. Eugen Diederichs.
Es erscheinen heute so viele Bücher, die zwar
sehr schön anzusehen, oft auch sehr kostbar und
trotzdem im Grunde überflüssig sind. Für dieses
Buch Scherers aber hat das viel mißbrauchte Wort,
daß es eine schmerzlich empfundene Lücke ausfüllt
, einmal uneingeschränkt Geltung. Es hat in
der Tat bis jetzt eine zusammenfassende, eingehende
Arbeit über die „Entstehung und kulturgeschichtliche
Bedeutung unserer öffentlichen Kunstsammlungen
" gefehlt, und man muß sich sehr wundern,
daß ein solches Buch nicht längst schon von irgend
einem unserer Museumsbeamten geschrieben worden
ist. Denn für die richtigeEinschätzung unserer Kunstsammlungen
ist eine genauere Kenntnis der Be-
P. PICASSO BÜGLERIN (1906)
Besitzer: Der Nene Kunstsalon, München
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