Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 388
(PDF, 174 MB)
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diesen Paradoxen eine sich mächtig ankündende
Gärung, die immer genug edle Reife
verspricht, um ihre Berechtigung nicht einfach
verneinen zu lassen. Denn gesetzt
auch, daß aus dieser ungestüm revolutionären
Bewegung letzten Endes nur drei
oder vier wirkliche Künstler hervorwachsen,
so hat sie doch ihre Mission eines Tages
erfüllt, wenn diese Persönlichkeiten den
Rhythmus unserer Zeit richtig begriffen und
unserem Verlangen nach einer künstlerischen
Vertiefung unseres Einfühlens in den
die Gegenwart vorantreibenden Geist den
adäquaten Ausdruck geformt haben. Täuschen
aber nicht alle Anzeichen, so heißt
es zunächst, der kommenden Erneuerung
dadurch vorarbeiten, daß das künstlerische
Gefühl wieder zu den Quellen jener Kraft
hinabsteigt, aus der heraus die primitiven
Meister geschöpft haben, die unbeeinflußt
von allen kleinlichen Aeußerlichkeiten den
monumentalen Ausdruck ihrer Gestalten
gewannen. Nicht umsonst hat diese junge
Bewegung den Impressionismus, der letzten
Endes doch nur gegenüber der Natur
mit handwerklicher Meisterschaft, d. h.
rein artistisch gearbeitet hat, über den Haufen
gerannt und bewiesen, daß jene Kunstübung
nur äußerlich dem Geiste unserer
Zeit verwandt ist, dessen letzte Erfüllung
die große monumentale Form, die Herrschaft
über die Fläche, die Abstraktion vom
Modell sucht und nicht zuletzt auch an
Stelle der immer noch akademischen Anlehnung
an die Natur die Empfindung für
Rhythmus und das Problem der reinen
Form, in das die ungehemmte Daseinsbejahung
unserer Tage wie in ein unbegrenztes
Gefäß einzumünden hat, zum künstlerischen
Prinzip erheben wird.

Wie immer man sich auch im einzelnen
zu diesen Prophezeiungen stellen mag, die
Tatsache besteht zweifellos zu Recht, daß
dieses neue Verlangen Beachtung verdient,
weil in ihm wirklich etwas von dem unerhört
starken Geiste unserer Zeit auflebt und
das „Wohin treiben wir" besorgter Gemüter
, die diesen Fortschritt über den Impressionismus
hinaus nicht begreifen können, ^
allen Hoffnungen auf eine noch nachhalti- £
gere Kunstbewegung als es die Schule von )
gestern gewesen, erst die rechte Nahrung £
gibt. Im letzten wird aber der Erfolg dieser l
jüngsten Bewegung weniger von der großen f
Zahl der mitlaufenden Halbtalente, als aus- l
schließlich von den wirklichen Persönlich- C
keiten abhängen, die in sich Träger einer '
neuen Weltanschauung sind. )

BERNHARD HOETGER

TORSO (STUDIE ZUM GERECHTIGKEITSBRUNNEN
)

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