http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0485
edle Ritter in rotem Gewände und
streckte seine Hand weihevoll über
einen vor ihm stehenden, den wundervollen
Saft enthaltenden Topf
aus. Dieses Bild kam jedoch nicht
in seinem Sinne zur Vollendung
und das lag hauptsächlich daran,
daß er zu dem Don Quichotte kein
ihm passendes, zur Sitzung als Vorbild
einer komischen Figur geneigtes
Modell gewinnen konnte.
Damals führte er unter anderem
auch die Federzeichnung des Malers
Appoldt in erstrebtem Sinne nach Art
einer Rembrandtschen Radierungaus.
Im Verlauf der weiteren Jahre bin
ich vielfach mit ihm in Köln und
Bonn zusammengetroffen.
Er war ein bescheidener, feinfühlender
, zielbewußter Mann, in
dem ein impulsiver Drang lag, Erscheinungen
, die sich seinem Auge
in der Natur boten, festzuhalten und
in lebendiger Treue zum dauernden
Ausdruck zu bringen.
Während meines Münchener Aufenthaltes
arbeitete er mit Hirth,
Alt und Sperl in einem Atelier in
der Arcisstraße, das wegen Raummangels
in der Akademie für die
Genannten gemietet war. Sein damaliger
Lehrer von Ramberg besuchte
ihn dort nur selten. Interessant
war es, Leibi vor der Staffelei
stehen und sich anstrengen
zu sehen, wie er die Lippen zusammenpreßte
, die Stirne runzelte,
die Augen anspannte, um sein Vorbild
in voller Natürlichkeit ganz zu
erfassen und wahrheitsgetreu auf
die Leinwand bringen zu können.
Sein von ihm in späterem Jahre
(1896) ausgeführtes Selbstporträt,
dessen Abdruck in dem hochbedeutenden
Mayrschen Werk wiedergegeben
ist, läßt die energisch angespannten
Züge des damals Zwei-
undfünfzigjährigen erkennen, wie er
sie bei der Anfertigung des Bildes
im Spiegel vor sich sah. In seiner
Jugend war der Gesichtsausdruck
nur noch prägnanter. „Sehen", sagte
er, „ist alles, aber die wenigsten
können sehen."
Er pflegte nicht mit Kohle vor-
zuzeichnen. An irgendeiner Stelle
fing er an und dann ging er weiter,
ohne zurückzukehren.
BERNHARD HOETGER
JUGEND (BRONZE)
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