Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 401
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0489
1(2X9 QX9<2X9QXS><2X9<2X9QXS><2X£)<2X£)(i^

Wilhelm Lambert — bildet und deren Milieu mich: „Daß ich die Arbeit für Kaulbach an-

jener Zeit des Zusammenlebens entspricht.
Perfall hob in seinem Schreiben besonders
hervor, daß die Schicksale des Helden sich
nicht mehr mit Leibi decken und bat mich,
keinerlei Schlüsse daraus zu ziehen. Es sei
ihm nur um die eigenartige kraftvolle Persönlichkeit
zu tun gewesen. Die letztere ist in
der Novelle sehr zutreffend geschildert.

Leibi konnte nur das malen, was er in Wirklichkeit
vor sich sah. Nach den Entwürfen
eines anderen zu malen, war ihm ein Greuel.
Und doch mußte er es im strengsten Kampfe
mit seinem Inneren einmal tun. Im Jahre 1867
trat nämlich von Kaulbach an ihn heran mit
dem Wunsche, er solle einen seiner Kartons
malen. Das war ihm wahrhaft schrecklich, allein
er befand sich in einer Zwangslage und glaubte,
es nicht ablehnen zu können. Seine Empfindungen
über den betreffenden Auftrag
sprechen sich in einem Briefe an mich vom
14. Oktober 1867 aus wie folgt: „Kaulbach
wünscht einen seiner Kartons (die Begegnung
Maria Stuarts und der Elisabeth) von mir gemalt
zu haben, und will deshalb einen Pakt
mit mir abschließen. Ich aber fühle wenig
Lust dazu. Ich möchte lieber meine eigenen
Ideen zum Ausdruck bringen und glaube auch
nicht, daß ich mich in die Art und Weise eines
anderen, hauptsächlich aber des K., finden
kann. Meiner Ansicht nach würde auch
mein Fortschritt wesentlich
dadurch gehemmt
, wenn nicht untergraben
. Als Bild
möchte ich jetzt einen
Mönch malen, der in
seiner Zelle am Fenster
sitzt und Violine spielt.
Diese eine Figur möchte
ich in ziemlicher
Größe darstellen und
versuchen, ob meine
Kraft dem Ausdruck
gewachsen ist, den ich
hineinlegen will. Wie
angenehm wäre mir
jetzt das Stipendium!
Ich könnte dann machen
, was ich will und
nicht was andere wollen
. Den Kaulbach mag
ich nicht vor den Kopf
stoßen, seinem Wunsch
aber auf keinen Fall
willfahren."

Am 10. November

1867 schreibt er an Bernhard hoetger herbst (Zeichnung) )

nehmen mußte, wirst Du von Ferdinand erfahren
haben. Die Umstände zwingen mich
dazu, obschon ich Dir gestehen muß, daß ich
meine eigene Arbeit ungleich lieber unternommen
hätte."

In einem Schreiben an mich vom 3. April 1868
macht er seinem Unwillen und Aerger über
den Kaulbachschen Auftrag in schroffster Weise
Luft, indem er sagt: „Gegenwärtig placke ich
mich noch immer mit dem verdammten Kaulbachschen
Bilde herum. Je länger ich daran
arbeite, je ekliger wird's mir und je mehr
sehe ich ein, wie Du recht hattest, mir davon
abzurathen. Wenn das noch lange so fort
ginge, so könnte ich wahrhaftig die Lust an
der Kunst verlieren, auch habe ich, glaube ich,
schon Rückschritte gemacht. Aber wer a sagt,
muß auch b sagen und so bleibt mir nichts
anderes übrig, als lustig wie ein Anstreicher
das gefühllose, unkünstlerische Zeug nachzupinseln
und mir bei jedem Pinselstriche sagen
zu müssen, wie sehr ich gegen meinen inneren
Drang und malerisches Gefühl ankämpfen
muß. Doch es wird auch wieder die Zeit
kommen, wo ich die trauernd an der Wand
stehenden Lieblingssachen vornehmen und in
das richtige Geleise wieder einlenken kann.
Bis dahin also will ich Dich nicht mehr mit
dieser Sache langweilen."

Seine Geldverhältnisse waren nicht die

Die Kunst für Alle XXVIII.

401

51


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0489