http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0493
BERNHARD HOETGER
heit dazu bot, versuchte er sich gern im
Handdrücken.
Leibi war auch ein außerordentlich tüchtiger
Schwimmer. Als ich eines Tages mit ihm
oberhalb der Insel Grafenwert im Rheine badete,
da überschwamm er den dort sehr breiten und
besonders reißenden Strom mit Leichtigkeit
bis zum jenseitigen Ufer und zurück.
Wo er im Leben Gelegenheit hatte, seine
Kraft anderen hilfsbereit zu Gebot zu stellen,
griff er stets begeistert zu. Als ich mit ihm
einmal in der Umgegend von München spazierte,
sahen wir, wie nicht weit von uns auf einer
Wiese ein Mann auf eine Frau losschlug.
WEIBLICHER TORSO
Leibi, gewillt, hilfskräftig einzugreifen, drückte
mir seinen Hut in die Hand und eilte schnellen
Laufes zur Kampfstätte, um dem armen Weibe
beizustehen. Da kam er schlecht an. Denn
unerwarteterweise machte die Frau Front gegen
ihn und schrie ihn an: „Was haben Sie sich
hier hineinzumischen, was geht das Sie an,
wenn mein Mann mich schlägt? Das ist mein
Mann und der darf mich hauen!" Wenig erfreut
über diese friedliche Lösung der Affäre
zog sich Leibi zerknirscht zurück.
Seine Vaterstadt Köln hat das Andenken an
ihren großen Sohn dadurch gewahrt, daß sie
die Seegersche Sammlung, bestehend aus25Oel-
405
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0493