Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 408
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! NEUE BÜCHER

Guttmann, Dr. Alfred. Die Wirklichkeit und
ihr künstlerisches Abbild. M 5.—. Berlin, 1912.
Paul Cassirer.

An Versuchen, dem Problem des künstlerischen
Schaffens bis auf seine ursprünglichsten Wesensmomente
und die Grundbedingungen seiner sich
in die Formen der Malerei und Skulptur umsetzenden
Entäußerung nachzugehen, hat es in der letzten
Zeit nicht gefehlt. Gerade die „moderne" Malerei
hat die Frage, warum die Maler so und nicht anders
, d. h. wie die gewöhnlichen Menschen, die
Natur sehen und nachzubilden bestrebt sind, in
Fluß gebracht. Die Theorien des Sehens sind mit
den neuesten Fortschritten der physiologischen
Optik herangezogen worden, um das rätselhafte
Umsetzen eines sinnlichen Eindrucks in die künstlerische
Wiedergabe des Geschauten zu erklären.
Aber die Formel dafür zu finden, ist trotz Physiologie
und Psychologie bis jetzt nicht gelungen.
Neuestens hat Dr. Guttmann in dem hier vorliegenden
Werk die Frage wieder angeschnitten; er hat
durch eine Reihe eigener Arbeiten auf dem Gebiete
der Psycho-Physiologie des normalen und anormalen
Sehvorganges neues Tatsachenmaterial gesammelt,
und eine zusammenfassende Darstellung entsprechend
unserer heutigen Kenntnis der Dinge zu
geben sich redlich bemüht. Er bespricht die individuellen
Verschiedenheiten des Gesichtseindrucks,
die optischen Täuschungen, denen wir beim Sehen
ausgesetzt sein können, den Einfluß der „Farbenblindheit
" auf das Sehen und Beurteilen der natürlichen
Farben, den Eindruck der Wirklichkeit auf
sogenannte „Farbenschwache" und andere Anomalien
, er gibt frühere und neuere Ansichten über die
Uebersetzung des Naturabbildes durch Zeichnung
und Malerei, um endlich dennoch zu bekennen, daß
er das „künstlerische Schaffen des Bildhauers, des
Zeichners und Malers im tiefsten Sinne für unanalysierbar
durch die Mittel der Physiologie und
Psychologie halten müsse." So ist demnach das
unbeschreibliche Etwas, das aus dem Gesichtseindruck
auf dem Wege über die Gehirntätigkeit durch
die manuelle Arbeit des Schaffenden ein Kunstwerk
entstehen läßt, nicht so leicht zu formulieren, es
bleibt immer noch jenes Rätsel übrig, das durch
Begabung, Talent, Schulung und durch den „göttlichen
Funken" von jenen spielend gelöst wird, die
dazu berufen sind. e. b.

Der französische Farbenstich des 18.
Jahrhunderts, herausgegeben von Julius
Model und Jaro Springer. M 75.—, Stuttgart
und Berlin, Deutsche Verlagsanstalt.

Das schöne Werk bringt nach einer ausgezeichneten
Darstellung aus der Feder J. Springers
50 farbige Tafeln nach den Originalen, deren
glücklicher Besitzer Herr Julius Model in Berlin
ist. Der Text gliedert sich in Abhandlungen über
die Technik, die Geschichte und die Biographien
der Künstler des Farbendruckes und erhebt sich
in seiner Gesamtheit weit über die herkömmlichen
kulturgeschichtlichen Beigaben ähnlicher Werke.
Springer gehört zu den besten Kennern des Farbenstiches
,und seine lebendige,wissenschaftlich und technisch
unanfechtbare Darstellung läßtden Wunsch laut
werden, ihn als den Verfasser der künftigen, alles
zusammenfassenden Geschichte des Farbenstiches
zu nennen. Die literarischen Quellen fließen dürftig,
die Originaldrucke sind selten und höchst kostbar,
und es ist mit Freude zu begrüßen, daß das so

reizvolle und anmutige Gebiet auf so treffliche und
geschmackvolle Weise zugänglich gemacht ist. Für
die Reproduktion ist das den Originalen am meisten
adäquate Verfahren, Farbendruck von 4 Platten und
Netzätzungen auf Kupfer nach photographischen Aufnahmen
durch einen Farbenfilter mit so feinem Raster
angewandt, daß dessen Linien dem bloßen Auge unsichtbar
bleiben. Springer hat recht, wenn er diesen
Erklärungen die Bemerkung hinzufügt, daß die von
der Kunstanstalt Gustav Dreher in Stuttgart hergestellten
Drucke den Charakter der Originale fast
restlos wiedergeben. Jedenfalls darf man — zumal
bei der Verkleinerung mancher Originale — die
Reproduktionen in dieser Technik zumeist hervorragend
nennen. Das Gegenständliche ist sattsam
bekannt, sodaß der entzückenden Finesse dieser
Kunst nicht das Wort geredet zu werden braucht. Der
Besitzer dieser Kostbarkeiten kann stolz darauf sein,
die schönste deutsche Sammlung französischer
Farbstiche sein Eigen zu nennen. Ihm, dem Autor
und dem Verlag gebührt für die schöne und wertvolle
Publikation vollste Anerkennung und Dank.

Gr.

Publikation 1912 des „Vereins für Originalradierung
München", Selbstverlag des
Vereins, München, Georgenstraße 30.

Die Graphik war im großen und ganzen immer
nur eine Kunst für Kenner, also für ein relativ
kleines Publikum, und wird es vermutlich auch
fernerhin bleiben. Was aber nicht ausschließt, daß
sie zu gewissen Zeiten mehr Aussicht als sonst
hat, ein weiteres Feld zu gewinnen. In einer solchen,
der Graphik besonders günstigen Periode scheinen
wir gegenwärtig zu leben. Das dokumentiert sich
u. a. schon in der großen Zahl originalgraphischer,
vor allem radierter Publikationen und Mappenwerke,
die heute erscheinen und alle ihr Publikum finden,
obwohl sie es durchaus nicht immer verdienten.
Ein Mappenwerk aber, dem man aufrichtigst wünscht,
daß es bald vergriffen sein möge, ist die Publikation
für 1912 des Münchener „Vereins für Originalradierung
". Es ist eine Mappe mit acht Radierungen —
und zwar echten Radierungen, die diesen Namen
noch verdienen — von sieben Künstlern, die sämtlich
als Radierer bezw. als Graphiker längst ihren
wohlfundierten Ruf genießen. An der Spitze steht
Peter Halm mit zwei Blättern (einer Schmiede
und einem Motiv aus Haarlem), die man ohne Bedenken
wahrhafte Meisterarbeiten ihres Schöpfers
nennen darf; ihre feinsten Reize enthüllen sie
freilich erst bei genauerem Studium. Von Oskar
Grafs großzügiger, warmer, lebendiger Kunst, die
mit soviel Temperament und doch Disziplin aus
dem Vollen schöpft, zeugt eine Ernteszene. Frau
Cäcilie Graf-Pfaff gibt in kraftvollen Strichen
eine Impression („Der blinde Bettler") aus Dachau.
Ein sehr feines Stück intimer, aber keineswegs
süßlicher Landschaftskunst ist der „Herbst" von
C. Th. Meyer-Basel. Rudolf Schiestls ganzes
Wesen, seine Naturfreudigkeit, seine naive Treuherzigkeit
und sein den alten Meistern verwandtes
Formgefühl lebt in der „Jungen Liebe". Einer der
begabtesten unter den jüngeren Radierern, H. Barthelm
eß, bewährt sein großes Können in einem
„Kirchweihtanz". Und in die Welt des Romantikers
und Fabulierers Joseph Uhl entführt uns ein
anmutig-duftiges Engels-„Capriccio". Die Mappe,
die dauernden Wert besitzt, ist nur in einer Auflage
von hundert Exemplaren erschienen; Vorzugsausgabe
300 M., Ausgabe auf Bütten 200 M.; die
Drucke von 65—100 dienen dem Einzelverkauf.

r. b.

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