Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 412
(PDF, 174 MB)
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schöne Aufgabe. Sie erfordert vor allem ein tiefes
geistiges Durchdringen der einzelnen Motive, die
Herstellung ihres inneren Zusammenhanges, das
Schmieden eines geschlossenen Ringes von
Darstellungen, die weder banal noch unverständlich
sein dürfen, und die von tiefer, künstlerischer
Auffassung durchdrungen sein müssen.
Von alledem ist jedoch wenig zu spüren. Wir
treten in ein kleines Oktogon und finden, an
die Wände gemalt „Die Treue" — eine Art heiliger
Sebastian, —• „Die Liebe" — eine Mutter
mit ihren Kindern, — „DieTapferkeit" — einen
Kämpfenden, dessen Kopf mehr als zur Hälfte
unter dem Rahmen verschwindet, und als
Hauptbild das Unverständlichste: „Karyatiden".
Wohl ein Verlegenheitstitel, denn die vier
Figuren sind auch das nicht, sondern wir
sehen je einen Mann und ein Weib unbekleidet
und in unmöglichen violetten und gelben
Farben aufmarschiert und fragen uns: woher,
warum, weshalb, wozu, ohne uns darauf Antwort
geben zu können. An sich verständlicher,
aber mit den Vorgängen im Leben der Familie
in nicht minder unklarem Zusammenhange sind

die drei Bilder von Harlfinger: „Weite" (Abb.
S.414), „Höhe" und „Tiefe". Hingegen mußdie
monumentale Großzügigkeit der Linienführung
wie der Komposition und die wahrhaft schöne
Zeichnung rückhaltlos anerkannt werden. Voll
Phantasie in der Erfindung, wenn auch weniger
sorgfältig gezeichnet, sind die ebenfalls ein
Oktogon schmückenden Bilder von Otto Friedrich
, die als Rhythmenzyklus gedacht, den
Vorraum eines Musikzimmers zu schmücken
bestimmt sind (Abb. S. 415).

Vom malerischen wie vom ethnographischen
Standpunkte interessant und wegen ihrer scharfen
Charakteristik voll packenden Lebens, ohne
die rein künstlerischen Forderungen im geringsten
zu vernachlässigen, sind die,, Huzulen " (Abb.
S. 412) und die prächtigen „Bauernstudien" von
Jarocki. Weitere über das Niveau des Gewohnten
emporragende Gemälde sind ferner zwei
Bilder jüngerer Künstler, die „Europa" von
Liebenwein und eine Pietä von Lanzinger
(Abb. S. 413). Liebenwein zeigt gutes Verständnis
für das Dekorativ-Monumentale, die Pietä
ist trotz mancher formaler Gebrechen groß-

WLADISLAW JAROCKI

HUZULEN. FRAGMENT

j Frühjahrausstellung der Wiener Secession

412


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