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dierungen von Kolb, darunter die meisterhaft
gezeichnete „Märzsonne" hervorzuheben
(Abb. S. 419).
In der Frühjahrausstellung im Künstlerhause
fallen uns gleich beim Eintreten einige gute
Plastiken auf. Von den Porträtbüsten sowie den
zahlreichen Plaketten eingehender zu sprechen,
fehlt es uns hier an genügendem Raum. Wir
müssen uns begnügen, auf die hier abgebildete
Plakette von Hans Schaefer als einzelnes
Beispiel lebensvoller und durchaus vornehmer
Bildniskunst hinzuweisen (Abb. S. 426) und zu
sagen, daß auf diesem Gebiete sowie auf dem
der Porträtmalerei das speziell Wienerische
vielleicht am deutlichsten zur Erscheinung
kommt. Eine ganze Reihe tüchtiger Könner
im Porträtfache erfreut sich beim Publikum
großer Beliebtheit, hat sich also über mangelnde
Aufträge nicht zu beklagen. Sowohl Maler wie
Bildhauer sind in erster Linie bestrebt, das
Gefällige der Erscheinung zur Geltung zu
bringen und es an geschmackvoller Durchbil-
VIKTOR HAMMER
Frühjahrausstellung der Wiener Secession
dung aller Einzelheiten nicht fehlen zu lassen.
Indem wir unsere Aufmerksamkeit den übrigen
plastischen Werken zuwenden, fällt uns vor
allem eine Gruppe aus Bronze und Marmor,
„Scherzo" von Josef Müllner auf, die sich
durch außerordentlichen Rhythmus der Bewegung
auszeichnet. Auch ein „Till Eulenspiegel"
von Otto Hofner, als Brunnenfigur in einem
Kinderpark gedacht, hat in seinem gemütlichen
Humor viel Einschmeichelndes. Der prächtige
Studienkopf eines alten Mannes von halb cäsarischem
, halb bäuerlichem Charakter von George
Minne und Müllners „Lebensfrühling", die
Köpfe einer jungen Mutter mit ihrem Kinde
(Abb. S. 420) bekunden feinstes Formempfinden.
Philipps „Frühlingseinzug" (Abb. S. 423), ein
vorwärtsstürmendes Mädchen, vier Kinder mit
Blumengewinden mit sich führend, fordert nicht
allein als hübscher Gedanke sondern auch als anmutige
Gruppe, die sich trefflich zum Schmucke
eines Gartens eignen würde, unsern Beifall heraus
. Ein umfangreiches Grabdenkmal aus Erz und
Granit, die Architektur von Oskar
Neumann, hat Wollek ausgestellt
(Abb. S.425). Die Hauptfigur in einer
reich umrahmten Nische, ein Mädchen
mit Blumen, mag vielleicht den
Intentionen des Auftraggebers entsprechen
, ist aber als Grabfigur doch
nicht ausdrucksvoll genug. Rings
um den Sarkophag sehen wir eine
dichtgedrängte Reihe von Kindern,
die teils musizieren, teils Blumengewinde
herbeischleppen. An der
Haltung und Bewegung in den Kindergruppen
ist nichts auszusetzen.
Es liegt viel Lieblichkeit und frisches
Leben in diesen Gestalten. Mit
Rücksicht auf einen schwer lastenden
Sarkophagdeckel mußten auch
sie möglichst massig erscheinen,
das Ganze macht aber infolge einer
etwas zu aufdringlichen und
nicht sehr geglückten Architektur
keinen vollkommen befriedigenden
Eindruck. Stemolak (Abb. S. 422
u. S.426) hat in einem Bronzerelief
„Bacchanale" den Uebermut einer
in weinseliger Stimmung hinziehenden
Tänzerschar mit Vornehmheit
der Linie und lebendigem Rhythmus
zu verbinden verstanden, wogegen
„Das Weib" desselben Künstlers
durch seine Leibesfülle, die
kurzen Beine und den zum Akt
nicht vollkommen stimmenden Kopf,
der Vornehmheit entbehrt, ohne uns
durch andereVorzüge,ausgenommen
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