http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0512
(Abb. S. 430) vor Augen. Lueger steht inmitten
seiner Getreuen und hat die Pläne für
ein großes kommunales Gebäude vor sich ausgebreitet
. Alle Abstufungen der Teilnahme und
des Interesses sind von den Gesichtern der
Stadträte abzulesen und in Haltung, Bewegung
und Ausdruck ist jede Individualität porträtartig
wiedergegeben. Mit großem Geschick hat
kammer zu und bildet nahezu eine Diagonale,
die zwar eine malerische Gruppierung der
Figuren über die ganze Fläche ausschließt,
in dem großen, nahezu leeren Hintergrund
aber ein stimmunggebendes Element gewinnt.
Diesem im Sinne alter Meister stilisierten
Bilde steht eine andere religiöse Darstellung
vonJOANOWiTCH gegenüber, die ganz realistisch
KARL STEMOLAK
DAS WEIB (MARMOR)
Wiener Künstlerhaus-Ausstellung 1913
der Maler jede gekünstelte Pose vermieden
und die Ruhe des Ganzen durch lebensvolles
Detail interessant zu machen verstanden.
Das umfangreichste Bild der Ausstellung ist
die Grablegung von Schräm (Abb. S. 429),
ein Gemälde in großem Fresko-Stil gehalten,
schön gezeichnet und durchaus edel in der
Komposition. Der Zug mit dem Leichnam
Christi bewegt sich von oben herab der Grabdurchgeführt
ist. Es handelt sich um die
legendarische Szene am Kreuze, in der der
Wache haltende römische Krieger die Worte
spricht: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen
" (Abb. S. 421). Auch diese Komposition
ist großzügig gedacht, düster, kraftvoll
und schwermütig. Es ist aber nicht genügend
hervorgehoben, daß der geistige Akzent, das bewegende
Element im Bilde vom Gekreuzigten
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