Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 427
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EX TLTOT^ IS
ARTHUR
GRAF

alfred cossmann

exlibris (radierung)
Wiener Künstlerhaas-Ausstellung 1913

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

pvÜSSELDORF. Eine umfangreiche Nachlaßaus-
Stellung des früh verstorbenen Otto Boyer,
welche die Städtische Kunsthalle veranstaltet, gibt
überzeugend davon Kunde, wie das starke malerische
Empfinden dieses Künstlers ganz in der Richtung
der herrschenden Tendenz unserer Tage lag. Mit
aller Kraft erfaßte er die sinnliche Erscheinung und
suchte ihr die stärksten farbigen Wirkungen zu
entreißen. Fast jedes seiner Werke ist der reine
Niederschlag eines durchaus persönlichen Erlebnisses
. Nie stand ihm die Gunst des breiten Publikums
oder der wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund
des Interesses. Die treibende Kraft seiner
Entwicklung war eine beharrliche und gewissenhafte
Arbeit, welche die höchsten Anforderungen an sich
stellt und immer nach dem Vollkommenen strebt.
In einer Zeit, da ein anarchischer Subjektivismus
alle Grundlagen des künstlerischen Schaffens zu untergraben
drohte, war die strenge Selbstzucht, welche
dieser schaffensfreudige, an Einfällen reiche Mensch
stets übte,umso schätzenswerter. Immer vollzog sich
die Gestaltung des äußeren Motivs mit Hilfe rein

künstlerischer Mittel; der Inhalt ging rein auf in
der Form. Wenn hinsichtlich der Betonung des
koloristischen Elements der Aufenthalt im Süden
besonders anregend und klärend auf ihn wirkte, so
fand und nahm er doch seine Motive, gleichviel wo
er sich bewegte. Zu den rein malerisch gelungensten
Arbeiten gehören so die Interieurs aus seinem
eigenen Familienleben, die prächtigen Bilder „Mutter
und Kind", „Kind mit Ball" und manches andere
schöne Stück. Auf dem Gebiete der Landschaft
ging er gern interessanten Stimmungsreizen nach,
hütete sich aber, in ein Uebermaß nach der Seite
des Pittoresken zu verfallen und die Natur zum
Theater zu machen. Sevilla und Granada lieferten
ihm in ihrem buntbewegten und charaktervollen
Volksleben, ihren Stierhetzen und Hahnenkämpfen,
eine Anzahl gelegener Motive für figürliche Darstellungen
, die er in glücklicher Momentanität festzuhalten
wußte. Ein mehrjähriger Aufenthalt auf
Capri legte den Grund zu einer neuen Entwicklungsphase
seines farbigen Sehens. Er glaubte, die Intensität
der kräftigen Lokaltöne noch steigern zu
können, wenn er die einzelnen Flächen mit ihren
Komplementärfarben zart umränderte. Tatsächlich
bekam sein Kolorismus hierdurch eine Leuchtkraft
und trotz der geschlossenen Pinselführung eine

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