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hans larwin
wiener stadtratssitzung
Wiener Künstlerhaus-Ausstellung 1913
Zusammenstellung und des Hängens bedeutend in
der Wirkung geschwächt.
Frühjahrausstellung des Kunstvereins für Böhmen
. Ein respektabler Durchschnitt. Wenig überragende
Werke, aber meist gutes Material. Die
heimischen Künstler sind diesmal, abgesehen von
den Kollektionen, minder stark vertreten. Aufsehen
erregen die Oelbilder Max Pollaks in holländischem
Milieu und J. Antengrubers großes Gemälde
„Nach dem Bade''. Die Kollektionen des
Bildhauers V. Amort, der Maler Rudolf Bem und
Anton Schück stehen nicht ganz auf der Höhe,
weil bei allen die Konvention vorherrscht. Unter
den heimischen Malern sind Fr. Jäger, Oswald
Krobshofer, St. Lolek, Emil Orlik, von den
Bildhauern Emil Meier und Alois Rieber gut vertreten
. Eine Holländer-Gruppe bringt treffliche
Werke im Stile Israels. Die königlich schottische
Vereinigung von Aquarellisten ist durch eine große
Kollektion, darunter einzelne vortreffliche Werke, vertreten
. Sonst interessierten noch Emil Preetorius,
Ernst Liebermann, Franz Wacik, Ernst Pickhardt
, Hermann Grom-rottmayer und der
Pole W. Jarocki. Eine Auslese von Werken der
Wiener Staatsgalerie zeigt hervorragende Qualitäten.
NEUE KUNSTLITERATUR
A. Kubin. Sansara. Ein Zyklus ohne Ende. In
einer Auswahl von 40 Blättern. Preis 40 M.
H. Eßwein. Alfred Kubin. — Der Künstler
und sein Werk. Preis 32 M. München und Leipzig.
Georg Müller.
Zwei Werke in Verbindung mit Alfred Kubin,
einem der interessantesten Künstler unserer Zeit.
Das Mappenwerk Sansara orientiert über den gegenwärtigen
Stand Kubins graphischer Arbeit; zugleich
aber läßt sich darin auch wieder einmal der Schriftsteller
Kubin vernehmen, nämlich in einer Lebensbeschreibung
, der er Zeichnungen voranstellt, und
die nach meiner Meinung zum Besten in der ge-
sammten Bekenntnisliteratur gehört. Es ist erstaunlich
, wie faszinierend er in der knappen Form, die
er einhält, die Geschichte einer Seele zu enthüllen
weiß. Wieder verkörpert Kubin in diesem Werke
aufs unmittelbarste Gefühle des Grauens und des
Entsetzens, den panischen Schreck gestaltet er und
Erlebnisse, die die Nachtseiten des Lebens berühren.
Doch ist er dabei gegen früherwieder etwas mehr ins
Literarische geraten, und seine Sansarablätter gemahnen
an Graphikas gewisser Niederländer, wo
auch eine Fülle phantastischer Gesichte in erzählender
Form neben einander aufgereiht wird, statt
in der Form geschlossen zu erscheinen.
Durch sein umfassendes Kubin-Werk sucht
Hermann Esswein dem ihm in manchem verwandten
Kubin ein breiteres Publikum zu gewinnen,
gegenüber der kleinen Aesthetengemeinde, die ihm
bisher Beachtung schenkte. Und so nimmt er als
erstes eine Zergliederung des „Menschen" Kubin
vor und spricht von dessen Weltanschauung, da er
um die geheimen Fäden Bescheid weiß, die das
Menschentum eines Autors, mit der künstlerischen
Wirkung seiner Gestaltungen bestimmender, als gewisse
l'art pour l'art-Menschen es wahr haben
wollen, verknüpfen. Eßwein beschäftigt sich weiterhin
auch mit Kubins Form und weist den oft er-
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