Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 436
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EDOUARD MANET

DIE GRANATE

Folkwang-Museum, Hagen

Es ist leicht, wenn man die nötigen Millionen zur
Verfügung hat, Rembrandts und Raffaels, die
kostbarsten italienischen Majoliken und byzantinischen
Emaillen durch Agenten aufkaufen
zu lassen. Eine Kulturtat ist das noch nicht.
Aber diese van Gogh und Gauguin, diese
Minne und Maillol ließen sich nur erwerben,
und zwar rechtzeitig erwerben, wenn man
innerlich mit dem künstlerischen Geiste seiner
Zeit zusammenhängt. So tendenzlos dieses
Museum ist, es belehrt uns dennoch mehr
als irgend ein anderes über die Aufgaben des
modernen Museums. Und seine Lehren sind:
erstens rechtzeitig kaufen und nicht erst, wenn
auf den Werken der Mehrwert der „allgemeinen
Anerkennung" lastet, und zweitens:
nur nach Qualität kaufen, nicht nach historischer
Bedeutung, Inhalt, Nationalität oder
sonstweichen äußeren Rücksichten.

Daß es sich hier nicht um eine beliebige
Liebhabersammlung handelt, sondern um die
Aeußerung eines energischen Strebens nach
künstlerischer Kultur, zeigt uns schon die
Inneneinrichtung des Museums. Sie bedeutet
einen der ersten Versuche in Deutschland,

alle Stilnachahmerei aufzugeben und eine so
moderne Sache, wie es der Inhalt dieses
Museums ist, in einen modernen Rahmen zu
fassen. Es ist das erste Werk Henry van de
Veldes in Deutschland (1902), das Programm
seiner Kunst, und wenn es auch als solches
noch das Unruhige, Uebertreibende jenes
Suchens nach einer eigenen Sprache an sich
trägt, so ist doch das hier geäußerte Formgefühl
, der Sinn für konstruktive Logik und
ausdrucksvolle Linie so groß, daß dieses Werk
noch heute ein Vorwurf bleibt, daß einer
unserer größten Architekten ■— wie wenige
haben im April dieses Jahres seines fünfzigsten
Geburtstages gedacht! — außer in Hagen
fast ohne größere Aufträge geblieben ist.

Zu den Ueberraschungen, die das Hagener
Museum dem Kunstfreund bietet, gehört auch
eine alle Zeiten und alle Länder umfassende
Sammlung von Kunstgewerbe und Kleinkunst.
Wer möchte vermuten, hier eine feine Kollektion
antiker Vasen und Bronzen zu treffen, mittelalterliche
Kruzifixe, deutsches Steinzeug, schöne
Renaissance- und Barock-Möbel usw. Besonders
hervorzuheben aber ist die große Kollek-

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