Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 440
(PDF, 174 MB)
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■hm

VINCENT VAN GOGH

Folkwang-Museum, Hagen

BILDNIS EINES JÜNGLINGS

sammen zu nennen, so übersieht man leicht
die großen Unterschiede dieser beiden Persönlichkeiten
. In van Gogh ist alles Leidenschaft
, Bewegung, Erregtheit, man könnte fast
sagen, er ist der modernere von beiden.
Gauguin dagegen ist Romantiker, der Meister
der Sehnsucht und des stillen Träumens.
Schon sein frühes Werk, die „Tangsammler"
(1889), hat wenig von der Meeresstimmung
der Bretagne, sondern läßt die Sehnsucht nach
südlicheren Zonen, nach einfacheren Menschen
empfinden. So gibt er sein Eigenstes erst,
als er auf den tropischen Inseln schafft, in
der „Bank" oder den „Reitern am Strande":
in Farbe und Geste höchste Einfachheit und
dennoch stärkster Ausdruck. Bis ins Mythologische
oder gar Mystische steigert sich diese
Stimmung in seinem vielleicht schönsten
Werk, den „Contes Barbares" (1902, Abb.
S. 441). Mit Cezanne beginnt dann die
neueste Richtung, die immer mehr danach
strebt, durch Umformung der Wirklichkeit,
der Gestalt und Farbe, höchste Steigerung
des Ausdrucks zu erreichen. Zugleich zeigen
uns seine beiden Landschaften im Folkwang-
Museum, wie schon er die strenge Organisierung
der Bildfläche und des räumlichen
Aufbaues erstrebt, die dann das Hauptziel der
Modernsten wird. Diese Künstler, Matisse
und Le Fauconnier, werden wohl hier, in
Verbindung mit den älteren Meistern, am leichtesten
Verständnis finden.

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