http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0534
Unter den modernen Deutschen fehlen hier
die Impressionisten, die man ja in anderen
Sammlungen zur Genüge kennen lernen kann,
und die Reihe beginnt hier gleich mit Meistern
des monumentalen Stils. Von Hodler ist hier
neben dem „Frühling" (Abb. geg. S. 433) auch
das große Werk „Der Auserwählte" zu erwähnen
, das sich nicht im Museum, sondern
in der Villa Osthaus befindet und dort, in Verbindung
mit der van de Veldeschen Architektur
, am besten Hodlers Bedeutung für die Erneuerung
unserer Monumentalkunst zur Anschauung
bringt. Auf diesem Gebiet nicht
weniger bedeutend und zu Unrecht noch weniger
bekannt ist Jan Thorn-Prikker. Sein
stammender Karton der
S. 442) zeigt bereits den
er neuerdings in herrlichen
Glasgemälden das geeignete Wirkungsfeld
gefunden hat. Auch bei den jüngeren
aus früheren Jahren
„Zwei Apostel" (Abb.
großen Stil, für den
deutschen Künstlern (jung hauptsächlich der
Richtung nach) scheint es so zu bleiben, daß
das Folkwang-Museum allen anderen um einige
Jahre oder Jahrzehnte voraus ist. (Nur das
städtische Museum in Halle hat sich kürzlich
durch die Erwerbung von Werken Emil Noldes
Ruhm erworben.) Man nennt diese Künstler
Expressionisten, was bedeuten soll, daß sie
nicht mehr von dem äußeren Natureindruck,
sondern von dem geistigen Erlebnis ausgehen
und somit ihr Hauptziel die Stärke des geistigen
Ausdrucks ist. Der Eroberer auf diesem Gebiet
ist wohl Christian Rohlfs, der in mühevollem
Ringen die Entwicklung vom Impressionismus
her durchgemacht hat und trotz seiner
64 Jahre heute noch zu den Jungen gehört
(Abb. S. 447), der Meister aber ist Emil Nolde
— sein Werk erscheint dem Verfasser dieser
Zeilen zu bedeutend, als daß er es hier in
wenigen Worten charakterisieren könnte. Auch
JAN THORN-PRIKKER
ZWEI APOSTEL
Folkwang-Museum, Hagen
442
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