Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 452
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0544
Die negative Gipsform wird vom Tonmodell abgehoben

einer Seite aus arbeitet und die übrigen Seiten
(Tiefenmaße) nur etappenweise zu sehen bekommt
und vergleichen kann, nicht eine starke
Befähigung besitzt, sich sein Werk auch stets
von allen anderen Seiten geistig vorzustellen
und auf die künftigen übrigen Aufsichten (Silhouetten
) Bedacht zu nehmen, dann wird der
Figur leicht etwas Einseitiges, Reliefartiges anhaften
. Solche Fähigkeit, bei dieser Arbeitsweise
rundplastische Vorstellungen zu haben
und zu verwirklichen, ist Auguste Rodin
in bedeutendem Maße eigen. Ich habe einmal
eine Anzahl von Rodinschen Handzeichnungen
gesehen, in denen der Meister nach
schnellbewegten, laufenden oder sich wälzenden
Akten Notizen, gewissermaßen von allen
Seiten der Modelle zugleich, gemacht hatte.
Von diesen seltsamen „rundplastischen Notizen
" habe ich einen der stärksten künstlerischen
Eindrücke empfangen, deren ich mich
je erinnern kann, und sie haben mir blitzartig
das ganze Problem aufgehellt. Hildebrand
kennzeichnet den Vorteil des Heraushauens
aus dem Stein derart, daß eine Figur so vom
Steinraume befreit werde, daß dieser materiell
verschwunden sei, jedoch für unsere Empfindung
als Einheit uns erhalten bleibe, weil die
Höhen der Figur sich in der Außenfläche einigen
und diese noch darstellen. Die Raumeinheit,
das allgemeine Gesetz und die unerschütterliche
Bedingung der künstlerischen Vorstellung
sei damit erfüllt. Dieser ungeheuere Vorteil
überwiegt die Schwierigkeit und die sonstigen
Bedenklichkeiten des direkten Arbeitens
sicher bedeutend.

Die Erlangung dieses Vorteils, nämlich der
Raumeinheit, ist bei dem bisher üblichen Umweg
über das Tonhilfsmodell durchaus nicht
unbedingt ausgeschlossen, nur eben nicht gewährleistet
, sondern von der Empfindung des
Künstlers abhängig. Am nächsten wird ihr
auch auf dem indirekten Wege der Architekturbildhauer
kommen, weil ihm auch äußerliche
Raummaße vorgeschrieben werden. Wir
sehen in dem auf den Seiten 451/53 abgebildeten
Relief von Prof. Hugo Kaufmann in
Berlin, welchen Weg die Arbeit vom Ton über
den Gips bis zum Stein zurückzulegen hatte,
andererseits aber auch, von welchen Vorbedingungen
der Künstler auszugehen hatte. Auf
der Abbildung S. 452 unten ist der unbehauene,
für das Relief bestimmte Stein erkennbar. Prof.

v9

R

1

Das Gipsmodell neben dem noch unbehauenen Stein mit Punktierzirkel H

452


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