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L. v. KALCKREUTH
XXVI. Ausstellung der Berliner Secession
HERRENBILDNIS
Darum irren die Zurückgewiesenen, die jetzt
gemeinsam ihre Werke dem Publikum zeigen,
um zu beweisen, daß sie nicht weniger wert
sind als die neu Aufgenommenen. Das ist
möglich. Es zu entscheiden, wird eine spätere
Zeit berufener sein als wir. Vielleicht werden
nach abermals fünfzehn Jahren viele, die heut
zum ersten Male in der Secession vertreten
sind, wiederum zu den Refüsierten zählen.
Die Secession, wie sie heut entschlossen ihr
neues Programm aufstellt, muß ein Durchgang
sein, und sie ist das Gegenteil einer wirtschaftlichen
Interessengemeinschaft. Es war
darum ein Grundfehler, sie überhaupt in Form
eines Vereines zu konstituieren. Ein Arbeitsausschuß
hätte genügt. Denn mit Recht beklagen
sich heut die refüsierten Mitglieder,
daß ihnen jede Ausstellungsgelegenheit abgeschnitten
wurde. Vielleicht wäre manch einer
von ihnen auch heut schon in wohlverdienten
Amt und Würden, hätte ihm das Odium der
Secessionsmitgliedschaft nicht den Weg zu
offiziellen Ehren versperrt. Es ist unter den
Werken der Zurückgewiesenen kaum etwas,
das in einer großen Kunstausstellung nicht annehmbare
Figur machen würde, aber in die
Secessionsausstellung gehört nur, was dort noch
keinen Platz rinden kann, oder was der Ehre
würdig scheint, zu einer kleinen Elite gezählt
zu werden.
Man könnte gewiß darüber streiten, ob Breyer
so viel besser ist als Oppler, Meid so viel
ernster als Meseck oder Lederer die Stelle gebührt
, die man den Büttner, Herstein, Pottner
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