Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 470
(PDF, 174 MB)
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neben matten Werken des Meisters wirkt
sein Strich leicht akademisch, die Struktur
seiner Farbe ungegenständlich als unbezwun-
gene Materie.

Ist es in den letzten Jahren schon fast zur
Tradition geworden, daß Leibi, Cezanne und
Van Gogh nicht fehlen dürfen, so wirkt die
kleine Kollektion von Werken Renoirs eher
wie ein neues Programm. Denn die Bedeutung
dieses Meisters tritt immer klarer hervor.
Vieles, was Cezanne suchte, ist hier von einem
Glücklicheren wie spielend gelöst. Das sind
die „schönen Bilder" unserer Zeit. Hier ist
die Tradition von Poussin über Watteau und
Ingres, die andere neu zu knüpfen suchen,
noch ungebrochen und ein Bild wie die „Badende
" (Abb. S. 466) kann leicht das schönste
dieser Ausstellung heißen.

Neben Renoir stellte man als neue Entdeckung
den eigentlichen Erfinder des Poin-
tillismus, George Seurat. Es war wohl
der Mühe wert, diese bei uns sehr zu Unrecht
vergessenen Bilder auszugraben und
den farbentüpfelnden Banalitäten des Cross
gegenüberzustellen. Für Seurat ist der Poin-
tillismus ein Weg zur Form gewesen, nicht zu
ihrer Auflösung. Er versucht, mit Hilfe seines
Mittels den Bildern wieder Struktur zu geben.
Der Gegensatz eines von Manet abgeleiteten

HERMANN HUBER ARABERIN
XXVI. Ausstellung der Berliner Secession

Frühbildchens und des großen „Chahut" (Abb.
S. 476) zeigt das deutlich. Allerdings ist die
Klippe des nur Ornamentalen nicht gemieden.
Seurat war nicht ein Renoir, aber in der Absicht
kommt er ihm doch am nächsten, und
als Werke eines Anregers werden seine Bilder
immer ihren Rang bewahren.

Was dann von jungen Franzosen im gleichen
Räume gezeigt wird, geht allerdings nicht über
den Durchschnitt der heutigen Pariser Tagesproduktion
hinaus. Marquet, Manguin, Van
Dongen (Abb. S. 479), Vlaminck, Derain und
Friesz, von dem jüngst eine Ausstellung bei
Cassirer zu sehen war, sind Namen, mit denen
das Publikum heut auch bei uns eine Vorstellung
zu verbinden pflegt, die hier kaum
bereichert wird.

Zum Schluß ein Wort von der Plastik, der
man diesmal einen eigenen Saal gegeben hat,
nicht eben den günstigsten allerdings für den
Zweck. Barlach tritt insbesondere hervor.
Vier Holzplastiken werden gezeigt und geben
ihm zum ersten Male das Uebergewicht, das
ihm fraglos gebührt. Der Spaziergänger (Abb.
S. 473) zumal, der von fern an Rodins Balzac
erinnern kann, ist eine mit außerordentlichem
plastischen Gefühl erfundene Statue.
Ob Barlach allerdings stark genug sein wird,
die gefährliche Klippe der Manier zu meiden
, kann erst die Zukunft zeigen. Tuaillon

hat leider nur Kleinigkeiten geschickt, Gaul zwei

sehr schöne liegende Panther in Stein, die für Jj:
-__ _ _ ^

E. l. KIRCHNER TÄNZERIN
XXVI. Ausstellung der Berliner Secession

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