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zum sofortigen Austritt aufgefordert, da ein ersprießliches
Zusammenarbeiten nach dem Vorgefallenen
nicht mehr möglich sei. Und da
die Minorität der Aufforderung nicht folgte,
erklärte die Majorität aufs prompteste ihren
Austritt. Damit ist die Secession zunächst
gesprengt, da der zurückbleibende Rest, trotzdem
sich überraschenderweise Lovis Corinth
ihm zugesellte, nicht imstande ist, das Unternehmen
mit irgend einer Aussicht auf Erfolg
weiterzuführen. Was nun geschehen wird, ist
zunächst unklar. Vorauszusehen ist, daß die
jetzt Ausgetretenen sich neu konstituieren werden
, ob unter einer neuen Flagge, tut am
wenigsten zur Sache. Natürlich sind solche
Künstlerfehden nicht eben geeignet, im Publikum
Vertrauen zu wecken, aber eine energische
Reorganisation der Secession war unvermeidlich
geworden, sollte sie weiterhin
lebensfähig bleiben. Daß dabei manche Rücksichten
zurücktreten mußten, war unvermeidlich
, daß es nicht ohne Sturm abgehen würde,
war vorauszusehen, aber wird der alte Verein
wirklich jetzt gesprengt, so sollte man für
den neuzubildenden die Lehre ziehen. Die
Mitglieder nehmen Pflichten auf sich, und
darum muß man ihnen Rechte geben. Das
Recht auf Ausstellungsmöglichkeit ist, wenn
auch unausgesprochen, in der Tatsache der
Mitgliedschaft einer Ausstellungsvereinigung
gegeben. Darum sollte man es vermeiden,
wieder einen Verein zu gründen und Mitglieder
zu wählen. Ein Arbeitsausschuß, wie etwa
wissenschaftliche Kongresse ihn für die Interimszeit
ernennen, indem sie selbst als
solche sich nach jeder Arbeitsperiode wieder
auflösen, müßte auch hier genügen. Und will
man wieder einen Künstlerverein gründen, so sollte
man ihn unabhängig halten von diesem Ausstellungskomitee
, in dem dann auch mit besserem
GEORGE SEURAT
XXVI. Ausstellung der Berliner Secession
CHAHUT
BENNO BERNEIS REITER AM MEER
XXVI. Ausstellung der Berliner Secession
Rechte ein Nichtkünstler den Vorsitz führen dürfte,
gleichgültig,' ob er zufällig ein Kunsthändler ist,
wenn es nur der rechte Mann ist, eine Ausstellung
zu organisieren. Und die Beweglichkeit
eines immer sich erneuernden Arbeitsausschusses
wäre ein Vorteil mehr. In
wechselnder Reihe könnte man die fähigen
Männer, einen nach dem anderen,
heranziehen, und jede Ausstellung
könnte ein neues Gesicht haben. Die
lästigen Vereinsintrigen, die derOeffent-
lichkeit im Grunde gleichgültig sein
sollten, hätten nichts mehr mit den Ausstellungen
zu tun, an denen allein letzten
Endes die Nichtkünstler doch Anteil
zu nehmen haben, und auf deren
Gestaltung ihnen billigerweise auch ein
Einfluß eingeräumt werden darf.
Glaser
NEUE KUNSTLITERATUR
Burckhardt, Jakob. Geschichte
der Renaissance in Italien. Fünfte
Auflage. Bearbeitet von Prof. D r. H e i n-
ri ch H oltz i n ger. Bd. I. Geschichte
der neueren Baukunst. Mit 340 Abbildungen
im Text. Geh. M 12.—, geb.
M 15.—. Eßlingen a.N. 1912. Paul Neff
(Max Schreiber).
Die pietätvolle Hand Heinrich Holtzin-
gers, die schon die dritte und vierte
Auflage von Burckhardts klassischem
Werk besorgte, ist auch bei Herausgabe
der neuen, fünften tätig gewesen
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