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lerischen Bedeutung nach entweder nicht genügend
ausführlich besprochen oder überhaupt
zu erwähnen übersehen hat und ferner
auch, den verständlichen Gefühlen seines
Lokalpatriotismus gegenüber etwas zu willfährig
, die Freiburger und Mannheimer Künstler
, im Vergleich mit den andern wohl allzusehr
und zu ausführlich berücksichtigt hat,
was aber seiner trefflichen Gesamtleistung
gegenüber ziemlich belanglos erscheint.
Popp, Hermann. Die Architektur der
Barock- und Rokokozeit in Deutschland und
der Schweiz (Bauformen-Bibliothek, 7. Band).
Verlegt bei Julius Hoffmann, Stuttgart 1913.
Nur wer von kunsthistorischer Arbeit
nichts versteht, kann die Herausgabe eines
großen illustrativen Werkes, das hinsichtlich
seines Textteiles unscheinbar in die Erscheinung
tritt, für eine leichte Sache halten.
Popps „Barock- und Rokokoarchitektur", ein
stattlicher Band, hat den 454 prächtig reproduzierten
Tafeln nur 10 Seiten Text (einen
gediegenen, feinen Aufsatz über die behandelten
Stile, ihre Sonderheit und ihre Gemeinsamkeit
) und ein sehr ausführliches bibliographisches
Register gegenüberzustellen. Es
ist also eine Tafelpublikation, kein großes darstellerisches
, stilkritisches Werk, aber trotzdem
wird in ihm und durch es mehr positive
wissenschaftliche Arbeit geleistet als durch
manchen ausführlichen, geschwätzigen und
von gelehrten Spitzfindigkeiten strotzenden
Folianten, der in endlosen Worten Stil und
Art von Barock und Rokoko umschreiben
möchte. Die Auswahl der abgebildeten Baudenkmale
und architektonisch-dekorativen Details
zeugt nicht nur von einer gründlichen,
durchaus auf wissenschaftlicher Basis ruhen-
JULIUS PASCIN MÄDCHEN IM MIEDER
XXVI. Ausstellung der Berliner Secession
KEES VAN DONGEN LA COIFFURE D'ANITA
XXVI. Ausstellung der Berliner Secession
den Sachkenntnis, sondern sie bekundet auch feinen
persönlichen Geschmack und einen eminenten Blick
für die praktischen Zwecke, denen dieses Werk
dienen soll: Architekten hinzuführen zum Studium
und zu Verständnis und Erkenntnis des letzten
großen deutschen Stils. Wohlverstanden: die Publikation
will und soll keine Vorbilder-, keine Mustersammlung
sein. Sondern an der hohen Kunst eines
Balthasar Neumann, eines Knobeisdorff, Dientzen-
hofer, Zuccali, Effner, Welsch, Sprünglin, Pöppel-
mann u. s. f. soll der ausübende Baumeister das
Wesen seiner Kunst in ihren höchsten Aufgaben
und letzten Möglichkeiten erkennen. Wie das Werk
solchermaßen für den Künstler eine befeuernde
Wirkung gewinnen kann, ist es für den Kunstgelehrten
eine ganz einzigartige, hinsichtlich ihrer
Vollständigkeit und der Heranziehung wenig bekannter
Objekte außergewöhnlich wertvolle Publikation
. G. j. w.
Lehmann, W. L. Albert Welti. Neujahrsblatt
1913 der Zürcher Kunstgesellschaft. 72 Seiten
mit 16 Tafeln und 22 Abbildungen im Text.
Die Gedächtnis- und Nachlaßausstellung im
Zürcher Kunsthaus anläßlich des frühenHinscheidens
Weltis hat dem Verfasser zur Basis seiner Abhandlunggedient
. Das beinahe umfassende Anschauungsmaterial
gestattete ihm, auch auf bisher Unbekanntes,
nichtsdestoweniger aber Bedeutendes und für
die Entwicklung des Meisters Aufschlußreiches in
Wort und Bild die Aufmerksamkeit zu lenken und
eine Biographie zu schreiben, die den Anspruch
auf Vollständigkeit erheben darf. Das ist ihr erster
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