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J schaffen. Auch bei Deussers Porträt und
^ Landschaft tritt Cezanne noch sehr stark zutage.
) Weit vollständiger und gefühlter haben Cas-
h par und Weisgerber die Cezannesche Basis
5 verwertet und überwunden; sie suchen an der
\ Hand tiefer, religiöser Stoffe einen neuen
l| gefühlsstarken farbigen Ausdruck Zugewinnen.
< Weisgerber hat in dem fast klassisch wirken-
i den Beispiel seines hängenden Sebastian (Abb.
J S. 492) eine verheißende Probe seines Könnens
j) abgelegt, und auch in den grauvioletten Tönen
J seines Jeremias klingt der dumpfe Klang der
0 Verzweiflung stark und überzeugend durch.
5 Caspar (Abb. S. 493), der mit dem Villa Ro-
1 mana-Preis ausgezeichnet wurde, zeigt u. a.
jj eine Taufe Christi, bei der die schöne Geste
4 des Täufers ergreifend wirkt. In der farbigen
'i Haltung verraten eine gewisse Verwandtschaft
J die Bilder des Berliners M. Neumann und
>) des Frankfurters Soldenhoff (Abb. S. 486);
* ihre Kokottenszenen haben etwas Bestechendes
Ö in dem giftigen Gesamtklang der Farben; sie
y zeigen im einzelnen viel farbige Delikatessen. max Beckmann Selbstbildnis
i Nebenher sei noch das (Nietzschegleiche) Känstierbundaassteiiung Mannheim
Z Selbstporträt Soldenhoffs genannt. Von ande-
< rem Schlage, sich wiederum innerlich und Schwalbach (Abb. S. 499); beide zielen auf
|j äußerlich berührend, sind E. Scharff und eine malerische Füllung und Bindung weib-
^ licher Akte. Eine eigene Note hat die Kunst
des Straßburgers Beecke. Er steht — wie
sein Landsmann Brischle — abseits von der
malerischen Schulentwicklung. Die herbe,
etwas schwermütige Art seiner Kunst fesselt
immer wieder, und doch werden seine Bilder
bei ihrer gedämpften Art meist übersehen.
Es steckt etwas von der Naivität Henri Rous-
seaus in diesen Vorstadtbildern und den mit
Dürerscher Akribie gemalten Stilleben. Von
einer reichen Schönheit der Valeurs ist die
nackte „Frau im Fenster" (Abb. S. 483). Sehr
stark in der Empfindung dünkt mich auch die
„Resignation" des eben nach Stuttgart berufenen
H. Altherr (Abb. S. 491). Sonst fallen
von badischen Künstlern noch auf: eine Dünenlandschaft
des jetzt in Mannheim ansäßigen
Hans Brasch, ein Bauer mit roter Weste von
Th. Schindler, der eben von Mannheim nach
Weimar berufen wurde, eine farbig frische
Landschaft von K. Dillinger, sowie das
malerisch delikate Mädchenbildnis des Pforzheimers
Adolf Hildenbrand, — eines Einsamen
, Versonnenen, von dem ich (nach vielverheißenden
, leider noch wenig bekannten
Anfängen) Großes für die Zukunft erhoffe.
Die Expressionisten sind nicht günstig vertreten
, am besten noch Pechstein, dessen
L neue Bilder die farbige Zähmung des „Wilden"
zeigen (Abb. S. 487). Und doch reizen — bei
aller Schönheit im einzelnen — jene brutalen, ^
hans meid
Künstlerbundausstellung Mannheim
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