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ERICH STEPHANI
RELIEF (TERRAKOTTA)
Künstlerbundausstellung Mannheim
Thoma, Trübner, Hodler, Liebermann, von
Gericault, Delacroix, Courbet, Daumier,
Pissarro, Sisley, Cezanne und anderen mehr.
Sie sind die ruhenden, klassischen Pole in der
Flucht vielfältiger, reicher, gärender Erscheinungen
, wie sie auf der gegenwärtigen Ausstellung
des Deutschen Künstlerbundes mit
Recht zu Worte kommen.
DIE LEIPZIGER JAHRESAUSSTELLUNG 1913
Die Ausstellung wurde diesmal der „Internationalen
Baufachausstellungu angeschlossen
und zwar in einer eigens hierfür
errichteten Halle. Das Programm lautete:
Die Figurenmalerei der letzten 30 Jahre. Ein
schönes Programm, aber in diesem Falle kein
glückliches, weil es in der Organisation zu
viel Schwierigkeiten in sich birgt, Schwierigkeiten
, die sich jedenfalls beim bloßen Ueber-
schauen des Planes und bei den ersten Versuchen
der Realisierung schon bemerkbar gemacht
haben. Ein solches Programm bedeutet
ein Unternehmen großen Stils, sowohl in bezug
auf wirtschaftliche wie geistige Organisation.
Eine solche Ausstellung darf sich nicht als ein
Spiel des Zufalls präsentieren, sondern muß
ein erlesenes Stück „Kunstgeschichte" darstellen
, muß Ereignis sein. Ich denke dabei
an die Berliner Jahrhundert-Ausstellung.
— Erschwert hat man sich die Aufgabe noch
dadurch, daß man sich in dem Programm
nicht auf Deutschland beschränkte. Denn mit
der Erweiterung verschiebt sich auch der Maßstab
an die rein organisatorische Leistung.
Wenn man Franzosen, Belgier, Schweizer,
Oesterreicher heranzieht, dann nur die Vertreter
, die in Frage kommen, nicht ein Begnügen
mit dem zufällig Erreichbaren. Die
Wiener Bilder sind die einzige geschlossene
landesrepräsentative Kollektion, aber sie stellt
eine merkwürdige Auswahl aus dem Besitze
der Galerie dar. Offenbar hat man hier, sehr
in Verkennung des Zweckes, die Werke geschickt
, von denen man sich am leichtesten
hat trennen können.
Wenn man die neuzeitliche Malerei bei uns
in Deutschland recht summarisch anschaut,
dann kommt man, so kaleidoskopartig auch
das Ganze auf den ersten Blick erscheinen
mag, letzten Endes auf zwei Gruppen oder
sagen wir auf zwei Ausgangspunkte: nämlich
auf die spezifisch deutsche Malerei mit Wil-
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