Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 500
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0596
weites war, andererseits weil nicht ein einzelner,
sondern eine Kommission für die Zusammenstellung
sorgte, nicht zuletzt endlich, weil eben die Secession
und ihre Mitglieder ganz ausfallen mußten. Mit
großem Interesse begegnet man in dieser Abteilung
Anton von Werners Riesenbilde der Reichstagseröffnung
im Weißen Saale des Berliner Schlosses
am 25. Juni 1888, das als Leistung Respekt fordert
und als Historienbild in weit höherem Maße als
das meiste, was unsere Generation geleistet hat,
Geltung behalten wird. Man bedauert angesichts
dieses Werkes doppelt, daß die geplante Kollektivausstellung
Werners nicht zustande kam und die
erwünschte Gelegenheit gab, das hergebrachte Urteil
über den streitbaren Beherrscher unserer Akademie
zu revidieren. Skarbinas Ovation der Berliner
Bevölkerung vordem Schlosse am 25.Januarl907
ist doch ein recht äußerliches Effektstück neben
Werners großem Repräsentationsbilde, in dem wir
heute viel mehr schon den ausgesprochenen Stilcharakter
einer Epoche erkennen, die in manchen
der Bauten ihren monumentalen Ausdruck gefunden
hat, die in Wilhelms II. erster Regierungszeit entstanden
sind, und die eine eigene Abteilung der Ausstellung
vorführt. Gern hätte man einen entsprechenden
Menzel zum Vergleich. Die „Prozession in
Gastein" vertritt den Meister nur unvollkommen.
Aus dem jungen Berlin ist nur Leo von Königs
„Pierrot" zu nennen. Allein der äußere Umstand,
daß der Maler in Unfrieden von der Secession geschieden
war, brachte das schöne Bild hierher. Ein

moritz melzer

denkmäler an die frau
Künstlerbundausstellung Mannheim

vorzügliches Porträt von Stauffer-Bern, ein gutes
Selbstbildnis von Ludwig Knaus, und zwei
bekannte Bilder von Gebhardt seien nur kurz
erwähnt. Die Münchener Abteilung wählte Carl
Bios. Mit Leibls prachtvollem Seegerporträt wird
sie eröffnet. Uhde schließt sich an mit einem
„Heiligen Abend." Von Putz, Püttner, Strobentz
wurden die besten erreichbaren Werke der Münchener
Pinakothek entliehen. Eine besondere Ueber-
raschung ist das Porträt Wolfgang Kirchbachs von
Frank Kirchbach. Es ist eines der schönen und
intimen Werke des Leibikreises, in der Art wie
Theodor Alt und Hirth du Frenes damals in ihrer
besten Zeit arbeiteten, und die Vertrautheit des
Malers mit seinem Modell, die auch ein besonderes
Kennzeichen der guten Porträts dieser Gruppe ist,
gibt dem Bilde den besonderen Reiz des echten
Erlebnisses. In Karlsruhe, wo Julius Bergmann
die Auswahl und Anordnung oblag, bildet ein Reiterbildnis
des Großherzogs von Hessen von Wilhelm
Trübner den würdigen Mittelpunkt, der Crucifixus
von Schmid-Reutte, zwei gute Thomas und eines
der Dachauer Bilder Ludwig Dills vermitteln
eine Anschauung der führenden Persönlichkeiten
des Karlsruher Kunstlebens. Ebenso ist es Robert
Weise für Stuttgart gelungen, dem besonderen Charakter
des Ortes einigermaßen gerecht zu werden.
Neben den beiden Toten, Hermann Pleuer und
Otto Reiniger, stehen Landenberger, Holzel
, Faure und Weise selbst. Auch aus Weimar
brachte Mackensen eine Auswahl, in der die bekanntesten
Namen vertreten sind, wenn
auch Ludwig von Hofmann nur in ein
paar Kleinigkeiten gezeigt wird, und das
große Bild, „Das Leben" von Egger-Lienz
an dieser Stelle ebenso unerträglich ist
wie im vergangenen Winter bei Keller
& Reiner. Merkwürdig schwach ist die
Dresdener Abteilung, trotzdem der ausstellungserfahrene
Gotthard Kuehl verantwortlich
zeichnet. Ueberdies erfolgte von
seiten Klingers, dessen Dredener Pietä
hier gezeigt wird, ein öffentlicher Protest
gegen diese unfreiwillige Beteiligung. Ganz
negativ aber ist allein der Saal der Wiener,
wo es John Quincy Adams gelungen ist,
eine Sammlung zusammenzustellen, in der
nicht ein Stück ein weitergehendes Interesse
zu beanspruchen vermag.

Natürlich besteht diese Gefahr, daß
der verantwortliche Leiter einer Ausstellung
gänzlich versagt. Auf der anderen
Seite aber gibt es kaum eine andere Möglichkeit
, einer Ausstellung ein einigermaßen
einheitliches Gepräge zu geben,
als ihre Zusammensetzung einer maßgebenden
Persönlichkeit allein anzuvertrauen.
Das zeigt sich aufs deutlichste in dem
Gegensatz dieser „rückschauenden Abteilung
", die besser die Abteilung der örtlichen
Sondergruppen hieße, zu dem Gros
der Ausstellung im übrigen. Vielfach begegnet
man denselben Namen, aber das
einzelne verliert sich vollkommen in der
unorganisierten Masse. Hier werden auch
niemals Reformen helfen. Und der natürliche
Weg wird der zur juryfreien Ausstellung
sein, in der man dem Strom der
Andrängenden überhaupt keine Ufer mehr
entgegensetzt und dem Publikum eine Arbeit
ganz überläßt, die man ihm trotz aller
aufgewendeten Mühe auch jetzt nur wenig

500


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0596