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theodor lauxmann
Große Kunstausstellung Stuttgart
bauernhochzeit auf der alb
der Gestalt Christi an Ausdruck hinter den
Seitenflügeln ziemlich zurücksteht. Ich denke
aber auch an die Schwabengruppe, die hier
mit prächtigen Werken hervortritt. So Karl
Caspar mit einer „Pietä" (Abb. S. 506) von
edler Abtönung in mattem Grauschwarz, Violett
und Gelb, die mit ihrem primitiven Stil,
der doch das Wesentliche, die schützende
Bewegung der leidensvollen Mutter Christi so
mächtig groß auszudrücken weiß. Die drei
genannten Bilder hängen in dem großen Kuppelraum
, König Wilhelmhalle genannt, der an
sich gewiß einer der schönsten Festräume
in Deutschland, doch viel zu selbständig, zu
selbstherrlich sozusagen, erscheint, als daß
eine harmonische Einbeziehung von Raum und
Bildern sich vollziehen könnte. Er soll eben
auch anderen Zwecken dienen. Seiner Weiträumigkeit
hat man übrigens durch einen Einbau
abzuhelfen gesucht. Heinrich Altherr,
der vor kurzem an unsere Akademie Berufene,
bringt drei interessante Werke, darunter einen
„Christus im Sturm" (Abb. S. 507), von edler
Freskowirkung in seinem für Altherr so charakteristischen
feierlichen Rhythmus und von eigenartig
fesselndem Typ der Christusgestalt, A.
Holzel eine „Anbetung" (Abb. S.513) bei deren
stark aufleuchtender Farbenkomposition
man unwillkürlich an eine Ausführung in Glasmalerei
denkt, und die beiden Hölzelschüler
J. Eberz und H. Eberhard gleichfalls starkfarbige
religiöse Kompositionen.
Und nun von den Heiligen zu den Kindern
der Welt. Wir bleiben bei den Schwaben und
nennen an erster Stelle Robert von Haug mit
seinem großen Bild „Im Feld" (Abb. S. 519).
Dieser Ulan, der auf einsamem Ritt an der
Leiche eines gefallenen Kameraden vorüberreitet
, ist gar mächtig gegen die leuchtende
Abendluft gestellt, in einprägsamer Silhouette,
die in dem Gedächtnis haftet. Aber nicht
nur kompositionelle, auch rein malerische
Vorzüge besitzt dieses Bild, so in der Führung
des Lichtes, in dem warmen, goldig
schimmernden Gesamtton, aus dem das kalte
Blau des verkrampft daliegenden Dragoners
seltsam heraussticht. Haug hat mit diesem
Werk die Reihe seiner „populären" Soldaten-
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