Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 524
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zu erörtern, ist hier unmöglich. Nur erscheint
es wichtig, daß über alle in der Hitze des
Gefechts gefaßten Beschlüsse hinweg, die
sich wie immer mit großer Vorliebe auf grobe
Einzelfälle stützen, die Materie von ruhigen,
objektiven Menschen geprüft und verarbeitet
wird. Denn sonst könnte es wohl zu Resultaten
kommen, die dem Wunsche, die Künstler
wirtschaftlich vorwärts zu bringen und zu
sichern, direkt zuwiderlaufen. Wenn man in
der Beaufsichtigung des Kunsthandels durch
eine Zentralstelle das Mittel sieht, dem Spekulationstrieb
einen Damm entgegenzusetzen,
so mag das den Künstlern gewiß im Moment
sehr einleuchtend sein. Auf der anderen Seite
aber, und auch hier sind Belege genug zu
schaffen, wird die Künstlerschaft recht oft sehr
gern darauf verzichten, zu wissen, unter welchen
Schwierigkeiten und Mühen und Opfern
an Zeit und Energie der Verkauf ihrer Werke
zustande kommt. Dem Fall des einzelnen
glänzenden Geschäftes, bei dem der Künstler
sich wohl mit Recht benachteiligt sieht und
die Mitwelt in Staunen verfällt, stehen tausend
Fälle gegenüber, wo er, wenn er nicht gerade
auf den Kopf gefallen ist, einen gerechten Ausgleich
erblicken muß, der nur vielleicht nicht
gerade seine Person betrifft.

Daß die Künstler jetzt ihren wirtschaftlichen
Zusammenschluß mit Hochdruck erstreben und
betreiben, ist anerkennenswert; aber will man
sich vor Miß- und Uebergriffen schützen, so
suche man selbst nicht das Heil in solchen.
Künstlertemperament ist eine schöne Sache,
nur dann nicht, wenn es mehr Schaden als
Nutzen anrichtet.

Daß die Erregung gegen den Kunsthandel
innerhalb der von irdischen Nöten bedrückten
Künstlerschaft auch noch vielfach durch Artikel
wie den im „Türmer" und einen inzwischen erschienenen
im „Hamburger Correspondent" geschürt
wird, mag von den Verfassern vielleicht
gut gedacht sein, kann aber die Situation keineswegs
klären. Den gesamten Kunsthandel als
ein Heer von Aussaugern und Halsabschneidern
hinzustellen, ist ebenso unsinnig, als wenn man
die vom Glück bevorzugten Künstlerpotentaten
zu Nichtskönnern herabwürdigen wollte. Es
kann sich hier nicht darum handeln, dem Kunsthandel
ein Loblied zu singen. Aber daß er
der Kunst ebensoviel genützt hat, wie die vielgeschmähte
und nur von den Vernünftigen
dankbar begrüßte Kunstkritik und -schrift-
stellerei, das muß schon gesagt werden. Es ist
grundverkehrt, wenn man das Publikum, das
den anständigen Kunsthändler als vermittelnden



KARL SCHICKHARDT

Große Kunstausstellung Stuttgart

FRÜHLING

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