Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 528
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zahlreichen Selbstporträts eingereiht wissen möchte.
Diese Bildnisse sind aus reiner Herzensneigung und
aus dem voraussetzungslosesten Kunsttrieb heraus
entstanden. Mir erscheinen sie wie eine ernste
Auseinandersetzung Sambergers mit der Kunst und
Malerei unserer Zeit und wie eine Einordnung seiner
eigenen Kunst in diese mit dem Pinsel in Farben geschriebene
Künstlergeschichte, deren Besonderheit
dies ist, daß hier ein überzeugender Prophet das
große Recht und die tiefe Schönheit der Persönlichkeit
in der Kunst predigt. Man verstehe das nicht
falsch: das Einzelporträt etwa eines Wenglein, Bradl,
Julius Diez, Stuck, A. v. Keller, Welti, Uhde, Oberländer
stellt nicht etwa einen witzigen Kunstessay
in der geistreichischen Art Lenbachs dar, sondern
es gibt durchaus das natürlich abgeschilderte und
natürlich durchgeistigte Antlitz des Porträtierten,
aber jedesmal ist es, als ob Samberger, der über
das Können hinaus auch ein feiner Kenner ist, sich
mit der Intensität seines Erfassens einer Persönlichkeit
auch deren Künstlertum eingekörpert hätte
und nun auf seinem Gemälde sich damit auseinandersetzte
. So kommt zuweilen ein polemischer
Zug in seine Bildnisse, zuweilen ein ironischer,
skeptischer oder enthusiastischer. Welche Bedeutung
solche Bildnisse namentlich für spätere Zeiten
gewinnen werden, das können wir vielleicht ermessen
, wenn wir uns vorstellen, was uns heute die
Florentinische Galerie von Selbstbildnissen wert ist!

In Sambergers Selbstbildnissen, die bis zum Jahr
1882 zurückreichen und namentlich in einem Bild
vom Jahr 1834 eine faszinierende Steigerung im
Sinne potenzierten malerischen Ausdrucks erfuhren,
ist natürlich am meisten Psychologie, am meisten
„Seele" und am wenigsten Retusche. Denn Samberger
ist im Physischen wie im Psychischen von
einer wahrhaft unbestechlichen Selbstkritik ....
Dies sind der Eindrücke nur einige, die sich uns
beim Durchblättern der 107 vorzüglich gedruckten
Tafeln mit Reproduktionen Sambergerscher Werke
aufdrängen. Der Anschauung, daß in diesen Tafeln
sich mehr als das ernste und glückliche Werk eines
großen Meisters spiegelt, nämlich daß auf ihnen
ein bedeutungsvolles Kapitel der Münchner Kunstgeschichte
geschrieben steht, wird sich niemand,
der guten Willens und bei klarer Einsicht ist, verschließen
. Und so ergibt es sich, daß dieses Samberger
-Werk eine der wenigen Kunstpublikationen
ist, die einem Bedürfnis entsprechen, für deren Erscheinen
eine Notwendigkeit vorlag, und die ihren
Wert in sich selber tragen. — Eine geistvolle Studie
von Hermann Eßwein leitet das eigentliche Tafelwerk
ein. Sie befaßt sich erfreulicherweise nicht
mit analytischen Dingen, sondern gruppiert um das
künstlerische Phänomen Samberger wie ein Strahlenbündel
einen Kreis von Perspektiven. Es wird manches
feine, zum blanken Aphorismus geschliffene
Wort über Porträtmalerei überhaupt gesagt, und dabei
fährt der Autor nicht zusammenhanglos in der
Welt herum, sondern dieser Worte jedes ist auf
Samberger gemünzt, also daß Text und Abbildungen
zu einem Ganzen zusammenwachsen. G.J.W.

Steinhausen, Wilhelm. Aus meinem Leben.
Gebd. M 8.—. Berlin, Martin Warneck.

Ein Künstlerbuch von einem poesiehaften Maler,
der den Interessenkreis des Tages nicht im Rein-
Technischen erschöpft sieht, ist allemal von besonderem
Reiz. Ein solches etwas unlogisch komponiertes
und gewöhnlich nicht sehr konsequent aufgebautes
Buch ist mir wegen seiner frischen Ursprünglichkeit
gemeinhin viel lieber als das erklügelte
Werk eines konsequenten Berufs-Bücher-
schreibers. Steinhausen hat in seiner Publikation
vornehmlich die Vorträge gesammelt, die er in der
Frankfurter Künstlergesellschaft gehalten hat: Sie
galten Erinnerungen aus seiner Werdezeit. Es ist
in ihnen manches Bedeutungsvolle gesagt worden,
an dem ein künftiger Geschichtschreiber der deutschen
Malerei des 19. Jahrhunderts nicht achtlos vorbeigehen
darf. Man vernimmt zumal einiges Richtunggebende
für die fast mythische Persönlichkeit
Canons, dem Steinhausen in Karlsruhe nähergetreten
war. Bedeutungsvoll sind auch die von Steinhausen
geäußerten Anschauungen bei Betrachtung
berühmter Gemälde und die angeschlossenen Anweisungen
, „Kunstwerke zu sehen". Unter den Aphorismen
findet sich manches Wort von nachhaltiger
Wirkung, dagegen haben mir die Gedichte nur alte
Gefühle, keine neuen lyrischen Eindrücke geben
können. Reproduktionen Steinhausenscher Gemälde
bereichern das Werk, das in seiner ungezwungenen
Buntheit von starkem Persönlichkeitsreiz ist.

F. H. GREF

Große Kunstausstellung Stuttgart

FRAU MIT KIND (LITHOGRAPHIE)

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