http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0636
Wo ist das liebe alte Düsseldorfer Genre
geblieben? Es gehört zum Altväterhausrat; nur
hie und da wird es noch einmal in der alten
Aufmachung hervorgeholt. Aus der Theaterkunst
von anno Dazumal ist heute frisches
Leben geworden, echtes pochendes Leben in
Daseinsjubel und Sonnenschein. — Wenn man
können, aber wie hat es sich verändert! Das
Stoffliche in Ehren, in solider Zeichnung und
in glänzender Verarbeitung des Farbigen haben
diese Künstler Fortschritte von ungewöhnlichem
Umfange gebracht. Auch ihre außerordentliche
Vielseitigkeit überrascht. Fast alle
pflegen neben dem Figurenbilde noch mit Glück
I
BERNHARD SOPHER JUVENIS PUBESCENS
Große Kunstausstellung Düsseldorf
will, wird man in der „Generalprobe" von
Hermann Angermeyer (Abb. S. 539), in Max
Sterns „Karnevalstreiben" oder gar in seiner
„Restaurantszene", in Josse Goossens
„Schützenbild" (Abb. S. 547), in Zacharias'
„Hausmusik" (Abb. S. 543), oder in Albert
Baurs „Fahnenjunker" (Abb. S. 529) noch einen
letzten Rest von Alt-Düsseldorf entdecken
das Porträt, Landschaft mit Staffage, Interieur
und Stilleben.
Solides, bedeutendes Können zeigen Franz
Kiederich (Abb. S. 530) und RobertSeuffert,
ohne daß ihr frischer Wagemut sie zu den
immerhin reizvollen Uebertreibungen Walter
Heimigs verführt.
August Deussers Kürrassierbilder, wie auch
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