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HERMANN ANGERMEYER
GENERALPROBE
Große Kunstausstellung Düsseldorj
die im Sommer ihres Schaffens stehenden Künstler
die stärksten Ueberraschungen bieten. Vor
allen Eugen Kampf (Abb. S. 546), der mit einer
bedeutsamen Kollektion einen Rechenschaftsbericht
seines Strebens vorlegt, dessen künstlerische
Bilanz Freude und Bewunderung auslöst
. Hermann Lasch, der feingestimmte Lyriker
unter den Düsseldorfer Landschaftern, zeigt,
wie er auf dem ihm eigenen Gebiete der stilisierten
Landschaft bezaubernde Töne selbsterlebten
Geschehens wiederklingen zu lassen
versteht. Aehnliches empfinden wir von den
Bildern von Hellmut Liesegang (Abb. S. 548),
der sich in die Beobachtung feiner atmosphärischer
Stimmungen vertieft, während Ackermann
(Abb. S. 552), v. Wille, Wansleben,
Jutz und Macco sich stärker der Wiedergabe
des vom Auge unmittelbar Aufgenommenen zuwenden
. Zu einer großzügigen Vereinfachung
sind Max Clarenbach (Abb. S. 534) und
Wilhelm Hambüchen (Abb. S. 550) gelangt,
während Hardt, Otto und Kukuk noch stärker
wie bisher durch kräftige Betonung der Farbe
zu wirken suchen. Julius Bretz steht mit feingestimmten
, herzigen Bildern für sich allein
da (Abb. S. 533), ebenso, aber nach der Seite
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des Koloristischen ungebärdig ausschlagend,
Walter Ophey. Die innere Notwendigkeit der
von ihm gewählten Ausdrucksweise erscheint
nicht recht glaubhaft.
Heinrich Hermanns hält an seinen bekannten
Motiven und an seiner Vortragsweise
fest, dagegen hat Fritz Westendorp sowohl
sein Studiengebiet wie auch das Feld der
malerischen Probleme erweitert; er bringt
Motive aus Paris in feiner silbriger Vertonung
(Abb.S. 541)-
Von den jüngeren Landschaftern, die alle
aus der Schule Eugen Dückers hervorgegangen
sind und die durchweg mit recht frischen Leistungen
antreten, sind zu beachten: Josef
Kohlschein, August Kaul, Medardus Kru-
chen und Wilhelm Pippert; weiter Willy
Mulot, Otto Marx, Hubert Cramer, Fritz
Westermann, Franz Delaforgue und Franz
Pauly-Hagen.
Bei den Tiermalern behauptet Jul. P.Junghanns
(Abb. S. 535) mit seinen Schülern Paul
und Reibmayr das Feld.
Die junge Düsseldorfer Bildhauerschule
braucht nicht mehr den Nachweis zu führen,
daß auf den großen Kunstausstellungen mit ihr |j
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