Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 544
(PDF, 174 MB)
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Spekulant. Dieser X. war ein ganz respektabler
Künstler — die Sucht, das Bedürfnis
nach Erfolg hat ihn elend verdorben. Verdorben
zu seinem „Glück". Denn nun weiß man von
ihm, nun kauft man seine Bilder, und bereits
hat dieser die Spekulation sich angenommen
und erzielt Preise, wie sie berühmte und wirkliche
Meisterwerke der Kunst zumeist erst
lange nach dem Tode ihrer Schöpfer erreichen...

Futurismus. Glaubt man wirklich an eine
Zukunft dieser Gebilde, an eine Generation,
deren Verständnis sich auf sie einstellen, eine
große Kunst, die aus ihnen ihre Muttermilch

I

HEINZ MÜLLER

JUNGES WEIB (HOLZ)
Große Kunstausstellung Düsseldorf

saugen wird? Ebenso, ja vielleicht noch mit
größerem Recht, dürfte man dann in dem beschämenden
Tiefstand der Großen Berliner
Kunstausstellung ein Unterpfand für die Zukunft
erblicken, oder in den zahllosen Fragwürdigkeiten
des Münchener Glaspalastes und
der Kunstausstellung in Dresden. Denn sie
alle besitzen zum mindesten noch etwas, ohne
das jeder Möglichkeit einer großen Kunst von
vornherein der Boden entzogen ist: den Respekt
vor der Form. Ein Rubens hat nicht darum
Unsterbliches geschaffen, weil er ein unvergleichlicher
Meister der Farbe, vielmehr, weil
er ein genialer Former war, von einer
Gestaltungskraft, die uns in ihm den
Michelangelo der Malerei erblicken läßt.
Und auch die großen französischen und
deutschen Impressionisten und die andern
Berühmtheiten neuerer Malerei
wo findet sich bei ihnen jene Vernachlässigung
und Mißhandlung des Formalen,
deren ein Expressionist sich erkühnt?
Wo bei einem Rembrandt, Greco und
Goya, auf deren Altären sie opfern, ein
seinen analytischen Tendenzen verwandtes
Bestreben? Man bilde sich doch
nicht ein, durch Negierung und Zertrümmerung
jeglicher Form zu einer
neuen Höhenkunst zu gelangen! Durch
Ersatz vorhandener Aeußerlichkeiten
durch andere die große Kunst der Zukunft
anzubahnen!

Licht, Luft und Farbe hat der Impressionismus
der Malerei gegeben. Das
sind unschätzbare Verdienste, Errungenschaften
. Wenn dieser Kunstepoche trotzdem
keine überragenden Monumentalwerke
von dem Format jener der großen
Renaissancekünstler gelungen sind, so
liegt das — man empfindet's als Paradoxon
— an nichts mehr, als an eben
diesen Errungenschaften und ihrem Charakter
. Denn es läßt sich nicht bestreiten
: sie sind insgesamt rein äußerlicher
, technischer Natur. Die Technik
war und ist dem modernen Maler das
Primäre, das, was sich beim Anblick
seiner Werke dem Betrachter zuerst und
am eindrücklichsten aufdrängt. Sie in
erster Linie ist es denn auch, die den
Wert impressionistischer Gebilde ausmacht
: die Technik des Lichtes, der
Farbe, der Atmosphäre. Das Dargestellte
dagegen tritt zurück, spielt gar
keine Rolle mehr. Je unbedeutender
sein Objekt, desto besser. Primitivität
in Sujet und Aufmachung gilt ja als
Vorzug in der modernen Kunstwertung.

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