Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 546
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I

EUGEN KAMPF

DORFWEG

Große Kunstausstellung Düsseldorf

schüttert. Das war der Weg, den eine Reaktion
auf den Impressionismus — und als eine
solche ist der Expressionismus zu betrachten,
darauf deutet schon sein Name — zu gehen
hatte, wenn sie einen Aufstieg anbahnen
wollte zu erhabeneren Höhen der Kunstbetätigung
. Was für Drama und Musik Voraussetzung
, ist es auch für die Malerei. Unbedeutende
Motive werden stets nur unbedeutenden
Eindruck machen. Ein großer Wurf
aber verlangt einen großen Vorwurf, und will
man erschüttern, so braucht es dazu einer
ganz andern Sprache, als ein Misthaufen oder
Kohlkopf sie reden . . .!

Dessen sollten sich die wohl bewußt sein,
die ihr ernstes Streben auf den einzigen Weg
zu einer großen Zukunftskunst richten: auf
eine Monumentalkunst. Gewichtige, von Größe
aller Art gesättigte Motive, darauf kommt es
an. Sie mit all den Errungenschaften der
jüngsten Vergangenheit darzustellen, nach dem
glorreichen Vorbild alter Meister und doch in
Haltung, Auffassung, Ausstattung und Technik
vollkommen neu, das ist das Ziel, das es im
Auge zu behalten gilt. Doch woher diese
Motive nehmen? Aus der Bibel, wie die

großen Künstler der Renaissance es taten
und, nach ihrem Beispiel, ein Adolf Holzel,
Karl Caspar, Max Oppenheimer und so viele
andere es neuerdings versuchen? Ich kann
an ein ersprießliches Resultat dessen nicht
glauben. Was dem von den Päpsten kommandierten
Cinquecento recht und natürlich war,
ist es heute nicht mehr. Allzusehr ist unsere
Zeit den in der Bibel geschilderten Ereignissen
und Persönlichkeiten entfremdet, als daß ihre
Künstler zu ihnen jenes intime Verhältnis zu
gewinnen vermöchten, das für ein gutes Resultat
nicht zu umgehende Bedingung. Mich
persönlich lassen all diese modernen Heiligenbilder
ebenso kalt, wie sie gemalt worden
sind: lediglich im Hinblick auf ein Aeußeres,
die Farbe. Doch eignet sich etwa unser kleinliches
Alltagsleben mit seinen abgeschmackten
unbedeutenden Geschehnissen für eine Monumentalkunst
besser?! — Wir sehen, die Frage
ist so einfach nicht. Sie erfordert Nachdenken.
Die Welten der Bibel und der Gegenwart erweisen
sich als Objekte für die Kunst ungeeignet
. Worin aber soll der Künstler hinfort
den Quell seiner Motive erblicken? . . .
Wir können uns eine Kunst denken, die

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