http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_27_1913/0649
gregor von bochmann d.j.
Große Kunstausstellung Düsseldorf
badende
DERKÜNSTLERBUNDSCHLESIENAUFDER
JAHRHUNDERTAUSSTELLUNG IN BRESLAU
In unserem Osten hatte die Kunst bisher immer
einen schweren Stand und jede Ausstellung brachte
den schlesischen Künstlern kaum mehr als ideale
Erfolge. Um so mehr ist es anzuerkennen, daß der
Künstlerbund Schlesien, ungeachtet aller Schwierigkeiten
, das finanzielle Risiko übernahm und eine
Ausstellung großen Stils inszenierte, welche in ihrer
Art wirklich Bedeutendes bietet und sich binnen
kurzem die Anerkennung weitester Kreise eroberte.
In einem eigenen Hause, welches Hans Poelzig
entwarf, ist ein außerordentlich reichhaltiges und
qualitativ hochstehendes Material untergebracht. Die
Mitte des niederen Langbaues betont ein Turm und
rechts und links daran reihen sich, in schönen Abmessungen
gehalten, gut belichtete Säle und Kojen,
in denen die Arbeiten sämtlicher Mitglieder des
Bundes ohne Gedränge Aufnahme fanden. Man hat
in der ganzen Aufmachung einen vornehmen und stimmungsvollen
Eindruck erzielt. Den Turmsaal zieren
Fritz Erlers Entwürfe für denWiesbadener Muschelsaal
des Kurhauses, hier wurden auch die meisten
Plastiken aufgestellt. Sie ordnen sich um die große
Reiterstatue von Gosens, Amor auf dem Pegasus,
welche die Stadt in Auftrag gegeben. Von den
vielen schönen Werken seien außer den Porträts
und den eleganten Gruppen des Grafen Harrach
hervorgehoben die fein empfundenen Torsen von
Bednorz, Studien von Martin Müller, die gewaltige
Lutherstatue von P. Schulz und die höchst
eigenartigen Treibarbeiten in Eisenblech von Vocke,
von dem auch die dekorative Supraporte über dem
Haupteingange der Festhalle herrührt.
An den Turmsaal schließt sich das Halbrund
des retrospektiven Ausstellungsraumes; er enthält
Auslesen aus den Werken der besten heimgegan-
genen Schlesier aus der Zeit 1813—1913. In reichster
Fülle hat die Malerei ihren Einzug gehalten. Daß
Harrach, Kalckreuth, Kardorff, Sandrock,
Fritz und Erich Erler gut vertreten sind, war
von vornherein zu erwarten. Neu für Schlesien ist
Friedrich Pautsch, ein bekanntes Mitglied der
Krakauer Sztuka. Sein Saal mit den Riesenbildern
und den eigenartigen Stoffen aus dem Leben des
Räubervölkchens in der Bukowina, die er mit großer
Gestaltungskraft und starken Farben uns schildert,
übt große Anziehungskraft aus. Auch Karl
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