Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 27. Band.1913
Seite: 572
(PDF, 174 MB)
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das lebendig Zeitgemäße, das einer ganzen
Reihe dieser Aeußerungen zu eigen ist. Meier-
Gräfe verweist in seiner Einführung mit Recht
auf die klassische Erörterung des Begriffes Improvisation
(in dem Charles gewidmeten Essay);
eine Menge weiterer Beispiele ließe sich mit
Leichtigkeit daneben stellen. „Die Begebenheit
ist nichts", sagt Delacroix selbst, „denn
sie vergeht. Nur die Idee, die wir von ihr
gewinnen, bleibt." Und er verstand es fast
immer, die Idee zu gewinnen.

Noch reicher wird die Ausbeute an solchen
Exkursen naturgemäß in den Aufsätzen, in
denen er irgend ein allgemeines Thema diskutiert
. Da sind beispielsweise die „Bruchstücke
über das Schöne, das Ideal und den Realismus
". Ich will einen Passus herstellen, der
wie eine vorweggenommene Verteidigung Ce-
zannescher Vergewaltigungen der konstruktiven
Perspektive wirkt. Im Anschluß an eine Ablehnung
des konsequenten Realismus sagt Delacroix
von der Photographie: „Wie störend
wirken die Ansichten der absoluten Perspektive
. Die Mängel sind vielleicht weniger beleidigend
in der Landschaft, wo die vorne
liegenden Teile selbst unverhältnismäßig groß
erscheinen können, ohne den Betrachter ebenso
abzustoßen wie in der Darstellung menschlicher
Gestalten. Auch der konsequente Realist wird
also in einem Bilde die starre Perspektive,
die mit ihrer übertriebenen Genauigkeit die
Dinge fälscht, verbessern."

An einer anderen Stelle heißt es: „Wer
Kunst sagt, sagt Dichtung. Es gibt keine Kunst
ohne dichterisches Ziel." Und in dem Metaphysik
betitelten Abschnitt, in dieser Hinsicht
vielleicht dem reichsten des ganzen Buches,
findet sich folgendes, in dem das Wesen des
Menschen wie des Künstlers Delacroix einen
wunderschönen Ausdruck gefunden hat: „Wa-

3

j ARMAND RASSENFOSSE DER GELBE FRISIERMANTEL

l Münchner Glaspalast 1913

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