Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 3
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I

TIERPARK HELLABRUNN

liehe Wildheit der Tiere, die in ihrer trägen
Melancholie ihrem Ruf nicht immer Ehre
machten. Um ihnen aber die Trauer der
Gefangenschaft zu versüßen, tat man ein
übriges und dekorierte die Käfige und Hütten
im Stile der Heimat oder sonstwie exotisch
und gemütvoll. Giraffe und Elefant bewohnen
indische Tempelbauten; der Hirsch hat eine
Villa im Schweizerstil; der Löwe aber bekam
ein paar Blöcke als „Höhle" errichtet, damit
er sich als der große Herr, der er ist, „zurückziehen
" kann; er tut es aber nicht, weil er
kein Höhlenbewohner ist.

Dieser leicht theatralische Zug in der Aufmachung
der Tiergärten war also von der
Jahrmarkts-Menagerie her haften geblieben.
Von einer Gartengestaltung im künstlerischen
Sinne konnte schon deshalb zumeist
keine Rede sein, weil entweder bestehende
Waldparzellen wie z. B. im Tiergarten zu
Berlin notdürftig hergerichtet wurden, oder
auch — und das war wohl der eigentliche
Grund: weil das Bedürfnis nach einer einheitlichen
künstlerischen Anlage noch gar nicht
empfunden wurde. Dagegen führte die genauere
Tierbeobachtung dazu, die Einzelhaft
zu beschränken und Tiergemeinschaften

GEHEGE FÜR RIESEN-KÄNGURUH

einzurichten. Der Bewegungs-Spielraum vergrößerte
sich, der „Käfig" war nicht mehr
unbedingt nötig. Er erwies sich noch entbehrlicher
, als Hagenbeck für seine Tierschau
in Stellingen Schluchten und Wassergräben
als Einfriedigungen einführte und die Tiere
gleichsam in paradiesischer Unschuld dem Beschauer
darbot. Damit war die grausame
Kerkerhaft der Menagerien für moderne Tiergärten
eine überwundene Sache.

Verhältnismäßig spät ist München in den
Besitz eines Tiergartens gelangt. Berlin erhielt
ihn 1843, Frankfurt 1858, Köln 1860.
Aber München hatte den Vorteil, von den
älteren Anlagen lernen zu können.

Das große Gelände, daß die Stadtgemeinde
unter sehr günstigen Bedingungen pachtweise
zur Verfügung stellte, liegt zwischen Harlaching
und Thalkirchen in der rasch sich erweiternden
Mulde, die die Isar hier gebildet
hat. Es ist altes Ueberschwemmungsgebiet,
das durch Uferdämme dem reißenden Flusse
abgewonnen wurde, und das mit seinem üppigen
Baumwuchs, mit verlorenen Wassertümpeln,

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