Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 10
(PDF, 180 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0030
\RCH. EMANUEL VON SEIDL-MÜNCHEN

TIERPARK HELLABRUNN: BLICK AUF DAS WALDRESTAURANT

erweitert sich der Hauptweg zu einem kleinen
Platze, und immer wieder öffnet sich unvermutet
ein Blick auf eine schöne Baumgruppe,
ein lauschig umbuschtes Wasser, auf ein Tieridyll
.!

Es ist ein Weg der Ueberraschungen,
den wir durchmessen. Ueberraschend durch
den klugen Wechsel der Ausblicke wie durch
den Mangel an Störungen des Auges durch
Gitter, Zäune und sinnlose Aufbauten. Elastische
, sehr weitmaschige Drahtgitter an Eisenpfosten
frieden die Gehege ein und behindern
das Auge so gut wie gar nicht. Höchstens
die schweren Huftiere, wie Bison und
Rotbüffel, haben außerdem noch einen inneren
Balkenzaun. Die Seitenwege ermöglichen die
Umgehung der Gehege, die meist so gelegt sind,
daß sie von zwei Seiten sichtbar werden.
Schier unerschöpflich an Einfällen zeigt sich
Seidl in der Gestaltung der Tierhütten.
Sie bilden ein besonderes und liebenswürdiges
Kapitel für sich. Was hier aus Holz, Stroh
und Rinde für jedes Tier nach seiner Art zurechtgebastelt
ist, das verrät eine seltene Fähigkeit
der Einfühlung in die Tierseele. Das
derbe breite Rindenhaus für die Meerschweinchen
erscheint da genau so charakterisierend

wie der zierliche lichte Pavillon für die eleganten
Kraniche. Eine große, streng geometrisch
gehaltene Voliere für bunte Ziervögel
schließt äußerst zweckmäßig und dekorativ
den Durchblick durch eine schnurgerade Allee.
Ganz im Gegensatz dazu wird die Raubvogelvoliere
als kaum sichtbares Gewebe in einer
Weite von zirka 45 m durchs Geäst geführt
werden, um den Gefangenen einen freien
Flug zu gestatten. Die Hauptschau aber entfaltet
sich erst von der Terrasse des anmutig
gelagerten Waldrestaurants aus. Hier
wandert das Auge über die Blumen und Blü-
tensträucher am Bachufer hinweg zum großen
Luitpoldgehege, wo Hirsche und Gemsen
hausen, zur breiten Wiese, wo Kamel, Lama,
Esel und Schafe weiden, zur Löwenterrasse,
zu den Bären und Seelöwen. Saftig grün dahinter
der steile Buchenhang. Es ist ein sorgfältig
vorbereiteter freier Rundblick, den man
genießt und doppelt genießt, weil man bisher
vom dichten Walde umfangen war.

In diesen fächerartig ausgebreiteten Gehegen
hat E. von Seidl den Fortschritt Hagenbecks
auf seine ganz persönliche und schöpferische
Art verwertet. Die Schönheit der
Tiere zu zeigen war der oberste Zweck. Um

10


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0030