Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 12
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TIERPARK HELLABRUNN

ihn zu erreichen, mußte man ihnen nicht nur
Freiheit für die Bewegung, sondern auch die
Anregung dazu durch eine Art zoologischer
„Bodenreform" geben. Und endlich sollte
diese künstliche Natur für den Beschauer befreit
sein von allen den Störungen, die an
die Menagerie seligen Angedenkens erinnern
konnten.

So treten wir vor die Lowenterrasse.
Sie mutet wie der Teil einer säulenbekränzten
Arena an und ist an der offenen Südseite
durch einen breiten Wassergraben mit niedriger
Ufermauer gegen das Publikum zu begrenzt
. Löwen, Tiger und Leoparden, durch
Quergitter getrennt, bewegen sich gelassen
inmitten dieser primitiven Architektur. Sie
gibt ihnen Hintergrund und läßt ihnen vollauf
Raum zu Klettereien an dem eingebauten
Geäst, auf dem sich Tiger und Leoparden
mit Vorliebe zum Sonnenbade niederlassen.

Eine kurze Weglänge führt hinüber zum
Luitpoldgehege. Hier hat der Architekt mit
Hilfe gewaltiger Nagelfluhmassen ein gebirg-
artiges Gelände hergerichtet, das terrassenförmig
nach hinten erhöht ist und unseren
einheimischen Tieren einen idealen Schauplatz
bietet. In der Ebene mit dem großen
Teich stolzieren Gänse, Kraniche, Störche und

ZWINGER FÜR MALAYEN-BÄREN

Reiher; es folgen auf erhöhtem Terrain, nur
durch einen tiefen Graben getrennt, Rehe und
Hirsche, und abermals eine Stufe höher klettert
zwischen rauhem Gestein die Gemse.
Man kann diese große Tiergruppe mit einem
Blick überfliegen und hat doch überall die
Möglichkeit, sich von der Seite heranzupirschen
und Einzelstudien aus der Nähe zu
machen. Je nachdem der Standort gewählt
ist, erscheint das Tier auf grünem oder felsigem
Grunde, und wer die Silhouette ganz
klar haben will, der stellt sich so, daß er
die Hirschkuh oder die Gemse gegen den freien
Himmel sich abheben sieht. Dabei hat der Architekt
durch seine Aufbauten das Kunststück fertig
gebracht, diese Beschauer für den Gesamtüberblick
der drei Gehege sozusagen unsichtbar
zu machen; sie stehen gedeckt in Nischen
und Winkeln. Nach demselben Prinzip sind
die Gehege der Bären und Seelöwen gestaltet
, und besonders der Eisbär hat eine Umgebung
erhalten, die in ihrer rauhen Ursprünglichkeit
an die Formation von Gletscherschliffen
erinnert.

Es ist hier nicht möglich und auch nicht nötig,
auf weitere Beispiele einzugehen. Die Bilder,
die auf diesen Seiten gesammelt sind, sprechen
für sich selbst. Sie werden es noch mehr tun,

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