Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 16
(PDF, 180 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0038
tierpark hellabrunn

gehege für heufresser

angefügt. In weißem Putz mit grünen Säulen
und braunen Schindeldach steht das Gebäude
breit und freundlich inmitten hoher
Tannen. Im Innern ist die Deckenkonstruktion
des Saales bemerkenswert: auf dem massiven
Unterbau mit schwarzen Halbsäulen ruht
die gewölbte Holzdecke auf gebogenen Tragbalken
, die durch Querhölzer versteift und
mit Brettern verschalt sind. Ochsenaugen
leiten von der Wölbung her ein angenehmes
Oberlicht in den Raum, der durch die vollkommene
Offenheit der Dachkonstruktion einen
ebenso einfachen wie künstlerisch befriedigenden
dekorativen Charakter erhält. Trotzdem
der Bau terrassiert werden mußte, um
einen guten Ueberblick in die Gehege zu geben
, wirkt er doch nicht hoch und anspruchsvoll
, sondern zurückhaltend und gemütlich im
besten Sinne.

Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß
der Tierpark Hellabrunn auf die schwierige

Frage der Tiergefangenschaft eine ebenso
humane wie ästhetisch neue und beglückende
Antwort gibt. Die Grausamkeit, die der Mensch
gegen das Tier begeht, indem er es als Objekt
der Beobachtung zu sich heranzieht, läßt
sich nur dann ethisch rechtfertigen, wenn dem
Tiere als Ersatz der Freiheit nicht nur auskömmliche
Nahrung, sondern auch ein gewisses
Behagen, ein Mindestmaß an Spielraum
gewährt wird. Zoologische Gärten dürfen keine
Kerker sein, sonst verfehlen sie ihren erzieherischen
Zweck. Sobald einmal bewiesen
ist, daß sie das nicht zu sein brauchen, wird
die Entwicklung ganz automatisch das weitere
besorgen. Wir können stolz darauf sein, daß
München dank der rastlosen Arbeit seiner
Tierfreunde, dank vor allem der selbstlosen
Bemühungen eines so feinsinnigen Künstlers
wie Emanuel von Seidl, mit einem Beispiel
vorangehen konnte, das für die Zukunft vorbildlich
sein wird. Eugen Kalkschmidt

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