Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 35
(PDF, 180 MB)
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wirken zu lassen, muß man allerdings Blümeis
Schattenspiele, wie er sie im Kreise seiner
Freunde vorführt, gesehen haben. Den Freunden
und den Kindern spielt er, ein zweiter
Pocci, auch köstliche Kasperle-Geschichten
auf dem Haustheater vor. Aus dem Kalender des
akademischen Gesangvereins lernen wir Blümel
als einen fruchtbaren Schwarz-Weißkünstler
und in dem gemeinsam mit Ludwig Renner
ausgeführten Taschenliederbuch, dem auch
das hier abgebildete Vorsatzpapier entnommen
ist, als Buchkünstler kennen.

Der poetisch-romantische Einschlag, um
welcher künstlerischen Eigenschaft willen uns
gerade Otto Blümeis Kunst so sympathisch erscheint
, waltet als Stimmungselement in seiner
„angewandten" wie in seiner „freien" Kunst.
Den von ihm geschaffenen Räumen verleiht er
die stille Heimlichkeit und Wohnlichkeit, seinen
Bildern und Zeichnungen aber poetische
Stimmung und malerischen Reiz. a. h.

Man hat uns gelehrt, keinen Unterschied
zwischen Kunst und Schönheit zumachen.
Kunst und Schönheit erstreben wohl eine Verschmelzung
und können sich in der Tat verbinden
, aber diese Verbindung ist für keine
von beiden eine Existenznotwendigkeit. Man
kann zur Schönheit ohne Kunst gelangen, ebenso
wie die Kunst unzählige Erzeugnisse hervorgebracht
hat, die kunstvoll sind, ohne schön
zu sein. Die Natur ihrerseits hat, ohne Eingreifen
der Kunst, Dinge von ewiger Schönheit
geschaffen, und der Mensch hält sich an
dies Beispiel, wenn er den natürlichen Bahnen
folgt zur Schöpfung und Konzeption der Dinge,
mit denen er sich umgibt, und die er braucht.
Auf diese Weise wurden wir zur Erkenntnis
der Urschönheit der elementarsten Geräte und
Gebrauchsgegenstände sowie der neuen Schöpfungen
der technischen Künste geführt. □

Aus: Henry van de Velde, Essays
Insel-Verlag, Leipzig

OTTO BLUMEL-MUNCHEN

BLEISTIFT-STUDIE

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