Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 47
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maria sinsteden-berlin

.allen Wollstickereien lauert, primitiv sein wollende
Bauernblumen auf Kissen zu verpflanzen,
die in einen Salon hineinwollen, dem Beardsley-
sche Graphiken, Haustein'sches Silberzeug oder
Wackeries Porzellane die Stimmungsnote geben
, besteht für sie nicht. Sie behauptet sich mit
ihrer Art trotz solcher Modespielereien. Man
vergesse nur auf einen Augenblick die Wolle,
nehme einen der von ihr bemalten Lampenschirme
, und sofort wird spürbar, daß es nicht
eines von jenen unleidlichen Gewerbedogmen
sondern die vollendete Delikatesse einer kultivierten
Persönlichkeit ist, die sich da auswirkt
. Keine dieser Stickereien will anerkannt
werden, weil sie das gerade gültige Programm
illustriert, weil sie im Gegensatz zu

leinendecke mit bunter wollstickerei

Aelterem und Schlechterem die neue Gesinnung
vertritt. Sie ist da als Geschmacksleistung
, die sich ohne Aufhebens anpaßt
an die Sachen und Sächelchen, die die Dame
von Welt heute um sich hat. Sicherlich muß
man, um so etwas Selbstverständliches zustande
zu bringen, selbst Dame sein. Was
uns, die wir bei jedem wohl geratenen Objekt
zu fragen haben, welche Nutzanwendungen für
die anderen daraus gewonnen werden könnten,
wieder einmal beweisen würde, daß so viele,
die über ein tüchtiges Handwerk und gründliche
Ausbildung verfügen, im Problematischen
verstrickt bleiben, weil sie innerlich zu wenig
von der Kultur der Menschen haben, für die
sie schaffen möchten. Paul Westheim

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