Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 50
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FRANZISKA BRUCK-BERLIN □ REISIGKORB MIT GEFÜLLTER KIRSCHE

in einen großen Bauernkorb zu stellen und
damit eine Stimmung zu erzielen, in der das
ganze Land draußen mit seinen Aeckern und
Wiesen und Bauernhäusern und Bauerngärten
steckt. Die besondere Stimmung ist es, die
sie jedes Mal wie keiner sonst zu treffen
weiß. Wo gäbe es unter den Blumenbindern
einen, der mit einem blühenden Zweig, der
in einen Korb gestellt ist, ein paar Dolden, die
aus einer Glasvase emporzusprießen scheinen,
die Stimmung einer ganzen Landschaft, eines
ganzen Seelenbezirkes zu fixieren verstände!
Wenn sie zarte Blumenkinder auf Drähte
spießen, wenn sie barbarisch wie Henkersknechte
zwischen die Bandrosetten ihrer Korbaufbauten
Ungleichartiges und Wesensfremdes
wie die Glasstückchen eines Mosaiks stecken,
erzielen sie ja auch eine Stimmung und immer
die gleiche, die der toten Seelen, der Makart-
buketts, der gekünstelten Krampfhaftigkeit.
Daher die Armseligkeit ihrer Erfindungen, daher
ihre Jagd nach immer neuen Tricks, während
dieser Bruck wie von selbst immer Neues
aus den Händen emporwächst. Mit jedem
Tag, möchte man fast sagen, ist sie anders

— unerschöpflich wie die Natur, wie die Empfindungswelt
eines fühlenden Menschen.

Nun könnte man meinen, eine so ganz persönliche
Kunst müßte in jedem von einer
anderen Person bestimmten Milieu als ein
Fremdkörper wirken. Sie könne sich nicht diskret
und selbstverständlich genug einschmiegen
in einen Rahmen, den eine andere um sich
gezogen. Nun, diese Bruck ist selbst zu sehr
verliebt in ihre Werke, daß sie sie ohne alle
Rücksicht hinausgäbe. Wenn sie nur irgend
kann, dann betrachtet sie die Räume, in die
ihre Blumen kommen sollen, sucht sie ihnen
den rechten Platz und wählt nun Farben und
Pflanzen für ein gegebenes Stück Raum. Nie
wird sie eine Festtafel schmücken wollen,
ohne den Raum, die Beleuchtung, Tischzeug
und Bestecke vor sich gesehen zu haben.
Ihre Blumen sollen all ihren Zauber ohne
Einbuße entfalten können.

So gibt sie ihnen auch in den Vasen, Töpfen,
Körben, Gläsern und Schalen, in denen sie
sie all den geschmackswidrigen Traditionen
der Binder zuwider präsentiert, den aparten,
geschmackvollen Rahmen, nach dem ihre

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