http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0078
franziska bruck-berlin
Schönheit verlangt. Heute,
wo beinahe jede Hausfrau
den Sinn dafür bekommen
hat, sieht das so selbstverständlich
aus, und doch war
es — für Berlin wenigstens
— eine Tat, die nicht zuletzt
auf sie zurückgeht.
Wie sie es ja auch gewesen
ist, die uns Großstädtern
wieder eine ganze Reihe
Pflanzen zugänglich gemacht
hat. Herbstzweige
und Blätter z. B., die nun
an allen Ecken feilgeboten
werden, und mancherlei
anderes Kraut, das von
Gärtnern und Bindern über
die Achseln angeseh en war,
hat sie zu neuen Ehren gebracht
, und, wie man weiß,
erleben wir jetzt die höchsten
Freuden an derlei für
nicht gut genug befundenen
Geschöpfen der Natur.
Versteht sich, daß das alles
Kämpfe kostete, die nur
der Fachmann ganz überschauen
kann. Aber wenn
man diese Bruck sieht, wie
sie sich durch nichts entmutigen
ließ, wie sie zäh
und unerbittlich für ihre
Ideen ficht, wie sie als echte
Künstlerin sichimmer ohne
franziska bruck □ japanischer hänger
□ mit montbretien und echeverien □
korbchen mit montbretien und margueriten
eine Konzession durchzusetzen
weiß, dann spürt
man, daß der Kleinmut, der
so häufig unsere Kunstge-
werbler ergreift, ganz und
gar nicht am Platze ist. Bei
dieserBlumendichterin,die
immer darauf aus war, ihr
Stärkstes unverfälscht zu
geben, sollten sie in die
Lehre gehen und als Weisheit
mit nach Hause nehmen
,daß echtes Gefühl und
echte Schönheit auch heute
noch alle Hindernisse nehmen
. Paul Westheim
Obwohl ihre Kunst so
ganz persönlich und frei
von Rezepten und methodischen
Regeln ist, will Fräulein
Bruck, mancherlei Anregungen
folgend, doch versuchen
, sie durch Unterricht
weiteren Kreisen zugänglich
zu machen,und Anfang
Oktober eine „Schule
für Blumenschmuck" eröffnen
. Sie betrachtet dies
selbst als einen Versuch,
dessen Erfolg in erster
Linie von der natürlichen
Begabung ihrer Schülerinnen
abhängen wird. □
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