Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 62
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Daß seine Richtung
eine sehr gesunde Reaktion
gegen die mit
nichtssagenden Ornamenten
überladene,
unzweckmäßige historische
Architektur gewesen
ist, wird niemand
in Abrede stellen.

Aber mir scheint,
daß er neuerdings den
Unterschied zwischen
städtischer und ländlicher
Architektur nicht
immer festhält. Was
in die Hügellandschaft
der schwäbischen Alb
paßt, paßt darum noch
nicht an den Hauptplatz
einer Residenzstadt
. Anpassung an
das Vorhandene kann
man diese gesuchte
und gerade dadurch
auffallende Einfachheit
gewiß nicht nennen. Von den Ornamenten
der Vorhalle will ich lieber schweigen. Wer auf
dem Standpunkt steht, daß das Ornament gleichgültig
sei, wird natürlich auch keine Bedenken
tragen, aus Wappenelementen Schlußstein-Verzierungen
zu machen und ionische und romanische
Kapitelle ins Primitive zurückzu-
bilden. Diese „Heimatkunst" ist im Grunde
nur in der Zweckerfüllung modern. In künstlerischer
Beziehung ist sie lediglich negativ,
atavistische Rückbildung, müde Resignation.
Ich habe den Eindruck, daß wir damit nachgerade
an einem toten Punkt angelangt sind,
daß nunmehr erst die eigentliche Kunst beginnen
sollte.

Bekanntlich herrscht zwischen den Vertretern
der Sachlichkeitskunst und denen der
Phantasiekunst ein Gegensatz, der sich nicht
aus persönlichen Verstimmungen allein erklären
läßt. So etwas geht viel tiefer, greift
in die innersten Lebensfragen der Kunst ein.
Da muß nun der Kritiker, so gern er gerecht
sein möchte, Farbe bekennen. Wenn ich dabei
für die Richtung meines Freundes eintrete,
so geschieht es nicht nur, weil ich ihn persönlich
hochschätze und für eine der ersten Potenzen
unter den gegenwärtigen Künstlern halte,
sondern auch aus wissenschaftlichen Gründen,
weil ich seine Richtung für die der Zukunft
halte, weil sie den ästhetischen Anschauungen,
die ich mir schon vor der Bekanntschaft mit
ihm gebildet hatte, entspricht.

Es ist vorauszusehen, daß die Architekten

BERNHARD PANKOK PFEILER MIT KAPITAL

AUSFÜHRUNG: CURT FANGHÄNDEL, STUTTGART

der struktiven Richtung
an dem Haus Rosenfeld
besonders in
bezug auf die praktische
Seite Kritik üben
werden. Deshalb sei
vorweg bemerkt, daß
es gerade in dieser Beziehung
einwandfrei
ist. Nicht nur weil
Pankok selbst auf dem
Standpunkt steht, daß
ein Wohnhaus in einer
modernen Großstadt
mit allen technischen
Errungenschaften der
Neuzeit versehen sein
müsse, sondern auch,
weil die praktisch-hygienische
Seite in den
Händen eines praktischen
Hausherrn, des
Großkaufmanns Max
Rosenfeld lag. Dieser
hatte seit etwa einem
Jahrzehnt die Absicht, sich ein Haus zu bauen,
und die ganzen Jahre hindurch hatte er sich bei
der Besichtigung moderner Wohnhäuser alles
notiert, was ihm von neuen Errungenschaften in
bezug auf Wasserleitung, Heizung, Beleuchtung
, elektrische Leitung, Telephon, Aufzüge,
Fenster- und Türverschlüsse aufgefallen war,
und was er sich in seinem Hause zunutze
machen wollte. Jedes Zimmer, jedes Gelaß hat
er vor der Anfertigung des Planes genau mit
dem Künstler durchgesprochen, selber Anregungen
gebend, bestimmte Forderungen
stellend. So ist das Haus tatsächlich eine gemeinsame
Schöpfung des Bauherrn und des
Künstlers geworden, das Ergebnis eines wahren
idealen Zusammenarbeitens, das wohl bessere
Erfolge gewährleistet, als wenn der Hausherr
nicht weiß, was er will, und der Architekt
je nach seiner meistens einseitigen Begabung
entweder die Zweckmäßigkeit oder die Kunst
übers Knie bricht. Für die technische Bauleitung
haben dem Künstler außerdem noch
der Architekt Schmidt-Annaberg (jetzt Berlin)
und der Bauführer Otto Banhofer zur Seite
gestanden.

Zum Verständnis des Grundrisses muß man
wissen, daß das Haus Rosenfeld aus einer
Villa im Schweizer Stil hervorgegangen ist,
die umgebaut und dabei vergrößert werden
sollte. Die Grundrisse zeigen, daß dabei die
Fundamente und die unteren Teile der Mauern
zum größten Teile verwendet werden konnten,

nur der etwas aus der Baumasse heraus- J

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