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BERNHARD PANKOK-STUTTGART VORDACH AM HAUPTEINGANG
AUSFÜHRUNG IN BRONZEGUSZ: HUGO PELARGUS, STUTTGART
Die freie Lage erforderte eine allseitige Durchbildung
des Außenbaues, jedoch vorwiegend
der beiden nach der Stadt gerichteten Fronten,
Süden und Osten. Da ein älterer Backsteinbau
benutzt werden sollte, konnte es sich nur
um Putzbau handeln; doch kommt dieser durch
die vornehme Art der Behandlung und den Hinzutritt
von Kunststein in der Wirkung dem
Quaderbau nahe. Die Außengliederung wird
durch einfache Wandpfeiler bewerkstelligt. Nur
hier und da sind reichere Kunstformen angebracht
, die durch den Gegensatz zu den glatten
Flächen um so stärker wirken. Vergeblich sucht
man nach den „barocken Willkürlichkeiten", in
denen sich Pankok früher wohl zuweilen gefallen
hat. Die Einfachheit der Formen wäre eines
Zweckmäßigkeitsarchitekten würdig. Im Gegensatz
zu einem früheren Hause Pankoks spricht
das Dach hier gar nicht mit, und auf Farbigkeit
der Wirkung ist ganz verzichtet. Man sieht
daran, wie wenig sich der Künstler auf ein
Schema festlegt, wie sehr seine bewegliche
Phantasie sich den Verhältnissen anzupassen
weiß.
Seinen ganzen Reichtum kehrt das Haus nach
innen. Es ist recht eigentlich ein Innenbau,
und in dieser vornehmen Zurückhaltung liegt
ein starker Gegensatz zu der protzigen Fassadenarchitektur
der siebziger und achtziger
Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Die Innendisposition ersieht man aus den
Grundrissen. Von den Wohnräumen ist eigentlich
nur das Herrenzimmer, das mit der Diele
zusammen in der Achse des Hauses liegt,
völlig modern eingerichtet, und zwar von Paul
Haustein, worüber Willrich in dieser Zeitschrift
(Juniheft 1912) schon berichtet hat, außerdem
noch das Schlafzimmer und der Festsaal.
Die übrigen Räume werden erst allmählich
moderne Einrichtung erhalten. Die Folge ist
Dekorative Kunst. XVI. 2. November 1912
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