Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 124
(PDF, 180 MB)
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R. LANGER-BERLIN m HOLZGESCHNITZTE FÜLLUNGEN FÜR TÜR UND HEIZKORPERMANTEL IM HAUS KUNHEIM

S

daß sie außerhalb des Architektonischen nicht
mehr zu bestehen vermögen. Ihre Bildnerei
will über den einzelnen Körper hinaus, will
empfunden werden als eine Widerspiegelung
des Gesamtgeistes, will absolut werden, wie
es allein der Raum ist, und wie sie es nur
als ein lebendiges Stück des Raumes zu werden
vermag. Daher lebt in den vielen jungen Bildhauern
, die wir auf gleicher Bahn
mit ihnen vorschreiten sehen, der
Trieb, zum kongenialen Architekten
zu gelangen, mit ihm in großer
Synthese über den Raum zu triumphieren
.

Richard Langer ist einer von
dieser jungen Garde, die noch der
Ausmusterung harrt, einer, der sehen
gelernt hat und nun bilden will. Persönlich
bilden, nicht in einer neuen
Art und zu neuen Zwecken Veraltetes
umklischieren. Alles Körperliche
erlebt er mit der geduldigen
und treuen Hingabe eines Menschen,
der sich als Lehrling fühlt, um einmal
Meister werden zu können. Er
hat nicht die flinke Keckheit der
Genossen seiner Jahre, sticht mit
dem, was er formt, was er sich
geduldig erobert, nicht jäh in die
Augen. Wenn er in einer Ausstellung
auftaucht, dann gibt es nicht
Lärm um seine Figuren, weil er
mehr ist als Lärmmacher. Sie
machen wirklich nicht viel aus sich,
denn, wenn etwas an ihnen ist, so
ist es innerlicher Gehalt. Es gibt

unter den jungen Plastikern, die auftauchen,
die bemerkt werden wollen, viele, die Blendenderes
und Dröhnenderes vorzuweisen haben,
aber wo wäre bei diesen vielen die Empfindung
, die einen solchen Körper beseelt, wo
eine gleich ehrliche Hingabe, die es so ernst
mit dem Gebild der eigenen Hand meint?
Nun ja, mit dieser getreuen Hingabe und
diesem reinlichen Wollen allein entsteht
noch kein Kunstwerk, es entsteht
aber gewiß noch weniger ohne
sie. Und es wäre von diesem Langer
kaum zu reden, wenn er nur diese
Schülertugenden besäße. Langer
steht vor dem Ton nicht als einer,
der seinem Willen nicht Ausdruck
zu geben vermöchte. Seine Figuren
leben ein inneres Leben,
ruhen in sich als ausgeglichene
Dokumente einer gesteigerten Wirklichkeit
. Er spricht wie bei der
stehenden Mädchenfigur oder dem
Relief mit der Lautenspielerin gern
im Mollton, um an der Madonnenbüste
das Herbe und Abweisende
doch nicht weniger wahr zu machen.
Das überlebensgroße Relief der
fünf badenden Figuren scheint eine
andere, eine so viel lautere und
erregtere Sprache zu sprechen; man
findet im ersten Augenblick nicht
den Faden, der von den früheren,
gemessenen Gestaltungen zu dieser
letzten Komposition führt. In der
Haltung der einzelnen Figuren, in
dem Fluß der Linien, in der Durch-

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