http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0169
dringung und Ueberschneidung der Körper, in
dem Kampf der Lichter mit den Schatten scheint
Langer zu einem ganz neuen Ton gekommen.
Die Befangenheit, die so voller Qualitäten war,
und die ihm eine schöne Sicherheit verlieh,
glaubt er auf einmal abschütteln zu müssen.
Größere Absichten und größere Dimensionen
befeuern ihn, alles, was an Kräften in ihm
ruht, scheint er aufzubieten, um nicht hängen
zu bleiben an einer Geste, die, immer weiter
nuanciert und weiter verfeinert, Akademie —
vielleicht Akademie im besten Sinne — werden
müßte. Es ist klar, daß er in den kleinen
Holzreliefs, die in die Vertäfelung eines vielversprechenden
Hauses von Baumgarten gehören
, oder in einer auf der Berliner Secession
gezeigten Bronzegruppe eines spielenden Paares
reifer, zwingender erscheint; es käme aber bei
der Betrachtung jenes großen Reliefs darauf an,
zu erkennen, daß seine Vorzüge in der Jugendlichkeit
stecken, in dem Willen eines Strebenden
, aus sich heraus zu gehen, über sich hinaus
zu langen, zu versuchen, zu tasten und zu
wagen — selbst auf die Gefahr hin, sich durch
vielerlei Anfechtungen durchbeißen zu müssen.
In diesem Stadium, das Selbstkritik und
Klärung fordert, ist Langer, wie einst sein
Lehrmeister Tuaillon, nach Rom gegangen.
Wird er angesichts der römischen Bildnerei,
die eigentlich das Gestrenge und Geruhige
seiner Art befestigen müßte, auch eine Amazone
mit heimbringen? Und wird es vielleicht
auch wieder bei dieser einen Amazone
bleiben? Paul Westheim
*
Der Form wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen
, muß die fundamentale Aufgabe unserer
Zeit, muß der Inhalt namentlich jeder künstlerischen
Reformarbeit sein, um die es sich
heute handeln kann. Hermann Muthesius
richard langer-berlin
bronzefigur in lebensgrösze
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